Archiv der Kategorie: Tagungen

CfP: „Kategorienbildung und dann? Komplexität, Widersprüchlichkeit und Vielfalt archäologisch begreifen“

„[…] gender boundaries are not always simple. There must have been unboyisch boys and ungirlish girls in the middle ages, as in any society, and those who (for some reason or other) wished to cross the line.“

N. Orme, Medieval Children (2001, 328)

Gemeinsame Sitzung der AG Geschlechterforschung und AG TidA auf der Verbandstagung MOVA und WSVA 2021 in Jena 4.-7.10.2021

In der deutschsprachigen Archäologie war der Betrachtungsraum zu Geschlecht lange bestimmt von einem unreflektierten, untertheoretisierten und von hegemonialen Männlichkeitskonstruktionen geprägten Diskurs (Alt/Röder 2009; Dommasnes et al. 2010; Fries/Rambuschek/Schulte-Dornberg 2007; Müller-Scheeßel 2011; Röder 2014). Heute ist, nach rund 30 Jahren kritisch feministischer Geschlechterforschung, die spezifische Auseinandersetzung mit Gender und Sex ein kleines, aber überwiegend akzeptiertes Forschungsgebiet.

Trotzdem wird weiterhin vielfach angenommen, dass alle prähistorischen Gesellschaften ein stabiles, eindeutiges und lebenslang gleiches Konzept von geschlechtlicher Identität, Geschlechterrollen, Familienbildung, Sexualität und damit verbundenen gesellschaftlichen Rollen aufweisen. Auch wird davon ausgegangen, dass Geschlecht (Sex und Gender) jeweils eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste soziale Kategorie war (Hofmann 2014; Rambuschek 2018; Burmeister/ Müller-Scheeßel 2005). Diese Annahmen führen zu einem eng begrenzten Rollenrepertoire. Sie schließt sowohl unterschiedliche Formen von Weiblichkeit und Männlichkeit aus, wie auch weitere Geschlechter, Veränderungen innerhalb eines Lebens, Uneindeutigkeit oder Zwischenformen (Alt/Röder 2009; Hofmann 2009; Voss 2008; Alberti 2013; Ghisleni/Jordan/Fioccoprile 2016). Dadurch ist Geschlecht von Seiten archäologischer Forschung als vermeintlich eindeutige soziale Kategorie sowohl als falsche historisierende als auch ebenso zeitlose anthropologische Konstante behandelt zu werden.

In der gemeinsamen Session der AG Theorien in der Archäologie und AG Geschlechterforschung möchten wir, ausgehend von der Geschlechterforschung in den Archäologien, beleuchten wie tief sich ein binäres Denk- und Forschungssystem in die archäologische Betrachtung über Geschlechtlichkeit und darüber hinaus eingeschrieben hat. Wie drückt sich dieses ideengeschichtlich, methodisch, konzeptionell und theoretisch aus und existieren hierzu Alternativen (Queerfeminismus, Intersektionalität, Biographieforschung, Mikroanalysen, komplexe Systeme, Ethnoarchäologie, anarchistische Ansätze, ArchivialTurn, Anthropologie, Feminist Materialism etc.), die nicht nur als reflektiert theoretisch, sondern auch in der methodischen Umsetzung greifen können. Ferner wollen wir der Frage nachgehen: Existiert tatsächlich ein Bedürfnis nach Eindeutigkeit in archäologischer Forschung?

Wir möchten Wege aufzeigen und Methoden entwickeln, Unklarheit, Negativergebnisse und Komplexität besser auszuhalten und auch als Ergebnis archäologischer Forschung an die Öffentlichkeit zu vermitteln. Gemeinsam wollen wir mehr Offenheit für eine größere Vielfalt an Geschlechtern, ihren Ausdrucksweisen und Entwicklungen anstoßen und uns vor Augen führen, was es zu gewinnen gibt, wenn wir uns vom Bedürfnis nach klaren, eindeutigen und simplen Ergebnissen (nicht nur) bezüglich der Geschlechter lösen.

Wir planen eine interaktive Session mit hohem Anteil an World Cafés und Diskussionsphasen mit einigen Inputvorträgen. Die Zahl der Vorträge wird deshalb begrenzt sein.

Wir bitten um Vorschläge für Vorträge à 20 min. Abstracts von 400 bis 600 Zeichen bitte bis zum 15.5.2021 an Kategorienbildung-und-dann-Jena2021[at]gmx.de

Organisatorinnen: Hanna Jegge, Jana Esther Fries, Sophie- Marie Rotermund

Der CfP kann als pdf auch hier heruntergeladen werden.

Literatur:

Benjamin Alberti, Queer prehistory: Bodies, performativity, and matter. In: Diane Bolger (Hrsg.), A companion to gender prehistory (Malden 2013) 86–107.

Kurt W. Alt/ Brigitte Röder, Das biologische Geschlecht ist nur die halbe Wahrheit. Der steinige Weg zu einer anthropologischen Geschlechterforschung in: Ulrike Rambuscheck (Hrsg.) Zwischen Diskursanalyse und Isotopenforschung. Methoden der archäologischen Geschlechterforschung. Frauen – Forschung – Archäologie, Band 8, 2009.

Stefan Burmeister/ Nils Müller-Scheeßel, Der Methusalemkomplex. Methodologische Überlegungen zu Geschlecht, Alter und Sozialstatus am Beispiel der Hallstattzeit Süddeutschlands In: J. Müller (Hrsg.), Alter und Geschlecht in ur- und frühgeschichtlichen Gesellschaften [Tagung Bamberg 2004]. Univforsch. Prähist. Arch. 126 (Bonn 2005).

Liv H. Domnases et al. (Hrsg.), Situating Gender in European Archaeologies (Budapest 2010).

Jana E. Fries et al. 2007 (Hrsg.), Science oder Fiction? Geschlechterrollen in archäologischen Lebensbildern (Münster 2007).

Lara Ghisleni/Alexis M. Jordan/Emily Fioccoprile (Hrsg.), “Binary Binds”. Deconstructing Sex and Gender Dichotomies in Archaeological Practice. Journal of Archaeological Method and Theory 23,3, 2016.

Kerstin P. Hofmann, Geschlechterforschung In: D. Mölders/S. Wolfram (Hrsg.), Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie. Tübinger Archäologische Taschenbücher 11 (Münster 2014).

Nils Müller-Scheeßel, Wirklich nur Jagen, Kämpfen, Saufen? Die Konstruktion von Männlichkeit in ur- und frühgeschichtlichen Gesellschaften. Altertum 56, 2011, 205–222.

Ulrike Rambuschek, Die Vielfalt der Geschlechter: komplexe Identitäten statt binäre Konzepte. Einleitung ins Thema, Archäologische Informationen 41, 2018, 151-154.

Brigitte Röder (Hsrg.) Ich Mann. Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten? (Freiburg im Breisgau/Berlin 2014).

Barbara L. Voss, Sexuality studies in archaeology. Annual Review of Anthropology 37(1), 2008, 317-336.

Workshop „theorizing Resilience and Vulnerability (TRAVAS)“ 19.-20.1.2021

Vom 19.-20. Januar 2021 findet im Rahmen unserer Workshopreihe „Theory in Practice“ der Workshop „Theorizing Resilience & Vulnerability in Ancient Studies (TRAVAS)” online statt. Ziel des Workshops ist es, die interdisziplinären Diskussionen der Altertumswissenschaften zu Resilienz und Vulnerabilität zu bündeln und ein (internationales) Netzwerk zu diesen Diskursen aufzubauen. Im Mittelpunkt steht die Diskussion theoretischer Ansätze zu Resilienz und Vulnerabilität vor dem Hintergrund der Altertumswissenschaften sowie die Entwicklung tragfähiger Operationalisierungen.

Zu diesem Zweck findet der Workshop in der Zusammenarbeit der Universität Bern, des RGZM, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Swiss TAG und der AG TidA statt. Das Format ist ein englisch-deutschsprachiger Open-Space-Workshop, welcher am ersten Tag mit einer öffentlichen Keynote von Stefani Crabtree, einer Podiumsdiskussion mit Alexandra W. Busch, Gabriela W. Christmann, Stefani Crabtree, Paul Erdkamp, Cornelius Holtorf, und Patrick Sakdapolrak und einem virtuellen Aperitif startet.

Am zweiten Tag schließt der Workshop mit internen Impuls-Präsentationen von Detlef Gronenborn & Sasha Diachenko, Michael Kempf & Rüdiger Glaser, Stefan Schreiber, Sepideh Maziar, Uroš Matić, Ahana Ghosh & Tanoy Sengupta, Camellia Biswas, Astrid Johanne Nyland, und Carin Molenaar, Louise Rokohl & Manpreet Blessin (Die Titel und Abstracts sind hier zu finden) und einem World-Café der Teilnehmer*innen an und wird durch eine Plenumsdiskussion abgerundet.

Organisiert wird die Veranstaltung von Caroline Heitz, Martin Hinz, Stefan Schreiber und Martin Renger; weitere Details sind unter http://resilience2020.archaeological.science/ zu finden.

CFP für Workshop „Materialities of Challenges – Challenges of Materialities“; 3.-4. November 2020

Vom 3.-4. November 2020 wird ein Online-Workshop zum Thema „Materialities of Challenges –Challenges of Materialities. Understanding the materialities of threats, scarcity, surplus and coping in premodern communities“ stattfinden. Organisiert wird er durch den Profilbereich „40.000 Years of Human Challenges“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Es wird keine klassische Tagung, sondern der Fokus liegt auf der Diskussion. Diese wird durch eine Keynote von Ian Hodder, sowie einleitende Beiträge von Hans Peter Hahn, Caroline Heitz, Cornelius Holtorf und Almut Schülke unterstützt. Der Call for Participation sucht daher Redebeiträge von ca. 10 min Länge, die möglichst zu einem der vier Sektionen einen Einblick in ein spezifisches Problem, Thema oder eine spannende Kontroverse geben, der die Diskussion bereichern soll.

Den Call for Participation und alle weiteren Details findet ihr hier: https://matcha.hypotheses.org/.

Die Deadline für die Einreichung eines Redebeitrages ist der 1. September 2020 (Achtung – Deadline verlängert).

Verschoben auf 19.–21.1.2021: Workshop „THEORIZING RESILIENCE & VULNERABILITY IN ANCIENT STUDIES“

Aufgrund der aktuellen Situation bezüglich des Coronavirus und der damit verbundenen sowie nötigen Einschränkungen haben wir uns dazu entschieden, den Workshop auf den 19. – 21. Januar 2021 zu verschieben. Die Deadline für Anmeldungen und etwaige weitere Abstracts haben wir auf den 31.10.2020 verlängert.

Wir bitten um Verständnis sowie Nachsicht und würden uns freuen, Sie/euch alle auch im Januar auf unserem Workshop weiterhin begrüßen zu dürfen.

Hier noch einmal der Link zu unserem ursprünglichen Call: http://www.agtida.de/cfp-theorizing-resilience-vulnerability-in-ancient-studies/

CfP „Theorizing Resilience & Vulnerability in Ancient Studies

Vom 26.-28. Mai 2020 (verschoben auf 19.–21. Januar 2021!) veranstalten wir einen neuen Workshop in unserer Reihe ›Theory in Practice‹. Dieses Mal wird er in Mainz am Museum für Antike Schifffahrt des RGZM und dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung stattfinden. Dazu rufen wir Euch auf, sich an unserem Call for Participation zu beteiligen. Neben einer Beteiligung am Workshop können auch kleine Beiträge und Poster vorgestellt werden.

Den vollständigen Call for Participation zum Downloaden und Teilen findet ihr hier in Deutsch und Englisch oder auf unserer academia.edu-Seite, da wir dieses Mal den Workshop international und zweisprachig gestalten wollen.

Resilienz und Vulnerabilität sind nicht nur transdisziplinäre Begriffsfelder – sie sind Eckpfeiler eines gewandelten Denkens. Dieses ist sowohl wissenschaftlich als auch politisch. Es zeichnet sich dadurch aus, dass nicht mehr der Wandel in einer als stabil vorgestellten Welt, sei sie heute oder in der Vergangenheit, erklärt werden muss. Vielmehr wird die Welt als grundsätzlich unbeständig, permanent in Veränderung befindlich und von Krisen wie auch Katastrophen beeinflusst gedacht, sodass ihr Weiterbestehen gleichsam erklärungsbedürftig wird. Es ist ein Bewusstsein
gewachsen, dass die Herausforderungen der Gegenwart nicht losgelöst von jenen der Vergangenheit verstanden werden können – und vice versa. Daraus erwächst die fruchtbare Möglichkeit der Auseinandersetzung und Überprüfung heutiger Konzepte in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Die Begriffe Resilienz und Vulnerabilität – die oft in einer weiten und vereinfachten Auslegung verstanden werden als Fähigkeit von Subjekten und Kollektiven, mit Veränderungen erfolgreich umzugehen oder für diese anfällig zu sein – sind erstaunlich ambivalent. Das betrifft sowohl ihre inhaltliche Bestimmung als auch ihre Bezogenheit aufeinander. So fällt auf, dass sich ein wesentlicher Teil der dazu entstandenen Forschungsliteratur an einer begrifflichen Fixierung oder Kritik abarbeitet, während Vorschläge zu Operationalisierungen eher selten sind. Zugleich polarisiert die Verwendung von Resilienz und Vulnerabilität durch ihre politische und gegenwartsbezogene Komponente. Während auf der einen Seite einige Autor*innen diese Konzepte dem neoliberalen-ökonomischen Diskurs zuordnen und daher ablehnen,
sehen andere wiederum in ihnen eine »verheißungsvolle Schönheit« (Rungius & Weller 2016), die dazu diene, die Welt zu einem besseren Ort und uns selbst zu widerstandsfähigeren Menschen zu machen. Diese politischen und normativen Reflexionen und konträren Positionen gilt es auch für die Verwendung in und durch die Altertumswissenschaften zu beachten.

Im Rahmen des Workshops möchten wir daraus resultierend theoretische Konsequenzen und Herausforderungen
diskutieren und dabei die Rolle der Altertumswissenschaften
im transdisziplinären Forschungsfeld zu Resilienz und Vulnerabilität
beleuchten…. (zum kompletten CfP – verlängert bis 31.10.2020 – siehe oben).

Der Workshop ist eine Kooperation mit der Swiss TAG, dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz, dem Leibniz Institut für Resilienzforschung Mainz, dem Profilbereich Challenges der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Oeschger Centre Climate Change Research der Universität Bern und dem Lehrstuhl für Vorderasiatische Archäologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.

CfP „Außenseiter*innen, Randgruppen und andere Unsichtbare“

Sektion der AG Theorien in der Archäologie am 22.-23. September 2020 auf dem 10. Deutschen Archäologiekongress in Kiel

Der CfP kann auch hier heruntergeladen werden.

Archäologie basiert auf empirischen Sichtbarkeiten – nur was in den Blick gerät, gilt als evident. Dabei ist die archäologische Forschung auf allen Ebenen von (Un-)Sichtbarkeiten und (Un-)Sichtbarmachungen durchzogen. Das beginnt bei Marginalisierungen in der Vergangenheit, geht über Präferenzen und Konjunkturen von Theorien und Methoden und reicht bis zu Akteur*innen und Figur(ation)en in Erzählungen und Interpretationen, die wir der Öffentlichkeit anbieten. Dadurch nehmen wir Einfluss darauf, wer oder was subjektiviert und objektifiziert wird. Wir wollen somit nicht nur nach historischen Perspektiven und Forschungsergebnissen fragen, die einen Schwerpunkt der archäologischen Diskussion darstellen, sondern auch anderen Debatten einen Raum geben.

Wir sehen hier für die Archäologien vor allem vier Perspektiven:

(1) Theorien und Modelle: Jegliches Denken über Sichtbarkeiten, Ränder, Innen/Außen, Zentrum/Peripherie ist als räumliche Metaphorik eng mit den jeweiligen Gesellschaftsmodellen (z. B. als Schichtung, Pyramide, Nukleus, Mosaik) verbunden. Wie könnten Konzeptionen des Sozialen aussehen, die explizit Außenseiter*innen, Subalterne und Marginalisierte sichtbar werden lassen? Wie sind Modelle zu bewerten, die Unsichtbarkeiten theoretisch nicht zulassen, Marginalisierung in Integration umwandeln, oder ein “Außen” konzeptionell ausschließen?

(2) Methoden und Forschungspraktiken: Welche Methoden eignen sich, um Unsichtbare und unsichtbar gemachtes in Forschungen zu integrieren? Welche Möglichkeiten bieten beispielsweise verschiedenste naturwissenschaftliche Analysen, linked open data, Statistik und Modellierungen? Wie lässt sich unsichtbar gemachtes empirisch erforschen, ohne neue Unsichtbarkeiten zu produzieren? Benötigen wir mehr empirische Evidenz und/oder mehr kreative Freiräume? Geht es bei der Frage um (Un-)Sichtbarkeiten primär um (Selbst-)Reflexion, oder lässt sich damit fruchtbar empirisch arbeiten? Welche archäologischen Forschungen der letzten Jahre thematisieren (Un-)Sichtbarkeiten und wie wird das jeweils getan?

(3) Marginalisierungen und Ungleichheiten in der Vergangenheit: Wann, wie und wo beginnt Marginalisierung? Können wir Widerstände und Konflikte der Vergangenheit um gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation fassen? Gab es Gruppen, Personen, oder andere Entitäten (Tiere, Pflanzen, Dinge oder Assemblagen), die sich einer Integration widersetz(t)en – z. B. Aussteigerinnen, Einsiedlerinnen, Rebell*innen oder Kriminelle? Gibt es Zu- und Abnahme von (Un-)Gleichheiten und wo lassen sich Verschiebungen, Verdichtungen oder Brüche feststellen? Benötigen wir ein Verständnis für politische Taphonomien vergangener und heutiger Unsichtbarmachung?

(4) Wissenschaftskommunikation, -reflexion und -ethik: Wie stark beeinflussen gesellschaftspolitische Debatten archäologische Diskurse um (Un-)Sichtbarkeit und Ausgrenzung und wie sieht es umgekehrt aus? Gibt es Konkurrenzverhältnisse um Marginalisierungsperspektiven? Wie treffen verschiedene emanzipatorische Projekte aufeinander, beispielsweise posthumanistische und humanistische Perspektiven, feministische oder marxistische Positionen, Tier-Ethik und Prekariat? Wem oder was geben wir eine Stimme in unseren archäologischen Erzählungen, in musealen Ausstellungen, in TV-Dokumentationen oder Populärwissenschaft? Wie gehen wir damit um, als (selbsternannte) Expertinnen über oder für jemanden zu sprechen, wie mit dem Problem eines fehlenden Einverständnisses zur wissenschaftlichen Sichtbarmachung? Haben wir als Wissenschaftlerinnen eine ethische Verantwortung zur Thematisierung von Ungleichheiten und Marginalisierungen?

Wir würden diese kontroverse und wichtige Debatte gerne gemeinsam führen und freuen uns über deutsch- oder englischsprachige Beiträge. Wir laden Wissenschaftlerinnen ein, die sich auf verschiedenen Ebenen mit (Un-)Sichtbarkeit, gesellschaftlicher Teilhabe sowie Randgruppen und Marginalisierung beschäftigen. Besonders willkommen sind auch Beiträge von Jungwissenschaftlerinnen. An die Vorträge von 20 Minuten Länge soll jeweils eine 10-minütige Diskussion anschließen. Unsere Session findet am 22. und 23.9.2020 im Rahmen des 10. Deutschen Archäologiekongresses statt. Bei Interesse bitten wir bis zum 31.01.2020 um einen Abstract mit Vortragstitel (ca. 250 Wörter) und Kurzbiographie an: Kiel2020@agtida.de

Eine Aufwandsentschädigung zur anteiligen Deckung von Reise-, Tagungs- und Übernachtungskosten kann in begründeten Fällen auf vorherigen Antrag gezahlt werden. Wir bitten diesen möglichst bereits zusammen mit dem Abstract einzureichen.

Wir freuen uns auf spannende Beiträge!

Für eine Betrachtung des Themas Inklusion anhand von Fallbeispielen vergleiche den Call der AG Wissenschaftsgeschichte „Inklusion in der Archäologie“.

Workshop ‚Kollektive Identitäten. Unmöglichkeit – Notwendigkeit – Pluralität‘ mit Heike Delitz in Freiburg am 05.07.2019

„Kollektive identitäten“
… auch ein Thema für die kritische archäologische Forschung?
Die Vorderasiatische Archäologie in Freiburg veranstaltet gemeinsam mit Heike Delitz (Soziologie, Otto-Friedrich-Universität Bamberg) einen 1-tägigen Workshop zum Thema ‚Kollektive Identitäten‘. Diese, so die Kurzdarstellung unseres Gastes und der Ko-Veranstalterin, „sind nicht nur ein aktuelles gesellschaftliches Thema – sondern auch ein grundlegendes sozial- und kulturwissenschaftliches Konzept: Was ist und wie entsteht ein ‚Kollektiv‘ oder eine ‚Gesellschaft‘ und wie hängen individuelle und kollektive Identität zusammen?“
Wie archäologische und soziologische Forschung das Phänomen ‚Identität/en‘ gemeinsam erforschen können, soll anhand des neu erschienenen Buches von Heike Delitz und ausgewählter Podcasts archäologischer Vorträge mit externen wie Freiburger Interessierten diskutiert und reflektiert werden.

Anmeldungen sind willkommen und noch bis 30.05.2019 möglich.

Teilnahmeanfragen und weitere Informationen unter marlies.heinz[at]orient.uni-freiburg.de oder hier

Programm der Sektion „Mensch – Körper – Tod. Der Umgang mit menschlichen Überresten im Neolithikum“

Am 02.-04.4.2019 veranstalten wir auf der Tagung des West- und Süddeutsche Verbandes für Altertumsforschung (WSVA) und des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung (MOVA) gemeinsam mit der AG Neolithikum eine (vor allem) zeitspezifische Sektion. Thema ist dieses Mal „Mensch – Körper – Tod. Der Umgang mit menschlichen Überresten im Neolithikum“.

Programm (auch hier zum downloaden)

Dienstag, den 02.04.2019

10:00 – 12:30 Uhr • Mitgliederversammlung der AG TidA

12:30 Uhr • Mittagspause

14:00 Uhr • Nadia Balkowski, Kerstin P. Hofmann, Isabel Hohle, Nils Müller-Scheeßel, Almut Schülke, Begrüßung und Einleitung (Organisatorisches und Inhaltliches)
14:50 Uhr • Ulrich Veit, Jenseits von Historismus und Anthropologie: Überlegungen zu einem kulturtheoretischen Rahmen für das Studium neolithischer Praktiken der Totenbehandlung

15:30 Uhr • Kaffeepause

16:00 Uhr • Heidi Peter-Röcher, Gewalt an Lebenden – Gewalt an Toten: zu Kontexten und Interpretationsmöglichkeiten menschlicher Überreste

Mittwoch, den 03.04.2019

09:00 Uhr • Franziska Holz, Die Abgrenzung prä- und perimortaler knöcherner Verletzungen von postmortalen Defekten – illustriert an ausgewählten Schädeln aus dem Beinhaus von St. Lubentius (Limburg-Dietkirchen)

10:00 Uhr • Kaffeepause

10:30 Uhr • Franz Pieler, Maria Teschler-Nicola, Asparn/Schletz: Archäologische und anthropologische Bestandsaufnahme und Ausblick
11:10 Uhr • Johanna Ritter, „Wo sind all die Toten hin?“ Theorien und Konzepte zum bandkeramischen Bestattungswesen in Hessen
11:50 Uhr • Joachim Pechtl, Vielfalt in Leben und Tod – linienbandkeramische Bestattungskollektive in Südbayern

12:30 Uhr • Mittagspause

14.00 Uhr • Nils Müller-Scheeßel, Ivan Cheben, Zuzana Hukelova, Martin Furholt, Kopflose Skelette und aufgebahrte Leichen: Die Toten der bandkeramischen Siedlung von Vráble/Südwestslowakei im Vergleich mit gleichzeitigen Kollektiven
14:40 Uhr • Postersession:
Benjamin Spies, Eine Menschenzahnkette der jüngeren Bandkeramik aus Mainfranken
Julia Hahn, Wie tickten die Taubertaler? Das schnurkeramische Gräberfeld Markelsheim-Fluräcker im regionalen Vergleich aus anthropologischer Sicht

15:30 Uhr • Kaffeepause

16:00 Uhr • Alexander Gramsch, Birgit Großkopf, Das Itinerarium des menschlichen Körpers. Eine interdisziplinäre Spurensuche

Donnerstag, den 04.04.2019

09:20 Uhr • Stefan Schreiber, Sabine Neumann, Vera Egbers, “I like to keep my archaeology dead”. Entfremdung und “Othering” der Vergangenheit als ethisches Problem

10:00 Uhr • Kaffeepause

10:30 Uhr • Sara Schiesberg, Christoph Rinne, Knochen – Teilverband – Skelett. Neue Untersuchungsergebnisse und interkulturell vergleichende Überlegungen zum Totenritual kollektiv bestattender Populationen
11:10 Uhr • Christoph Steinmann, Artikulierte und disartikulierte menschliche Überreste in der Mecklenburgischen Megalithik
11:50 Uhr • Mitgliederversammlung der AG Neolithikum

12:30 Uhr • Mittagspause

14:00 Uhr • Torsten Schunke, Der Umgang mit den Ahnen bei Salzmünde, Saalekreis – Die Umbettung eines Kollektivgrabes der Bernburger Kultur und nachfolgende Eingriffe in den Befund
14:30 Uhr • Martin Nadler, Gedanken zu den sog. Silobestattungen der Münchshöfener und Michelsberger Kultur
15:00 Uhr • Rouven Turck, Niels Bleicher, Leben und Sterben auf dem Abfallhaufen? Menschliche Skelettreste in Jungsteinzeitlichen Seeufersiedlungen (ZH-Opéra)?

15:30 Uhr • Kaffeepause

16:00 Uhr • Clara Drummer, Grabhandlungen oder Handlungen am Grab? Die Bedeutung schnurkeramischer Scherben und unterschiedlicher Bestattungskonzepte am Beispiel des Galeriegrabes Altendorf, Lkr. Kassel

16:40 Uhr • Abschlussdiskussion

Programm der Sektion „Mensch – Körper – Tod. Der Umgang mit menschlichen Überresten im Neolithikum“ weiterlesen

CfP „Mensch – Körper – Tod: Der Umgang mit menschlichen Überresten im Neolithikum“

Die AG TidA richtet gemeinsam mit der AG Neolithikum auf der Jahrestagung des WSVA und MOVA in Würzburg am 2.-4. April eine gemeinsame Sektion aus. Thema ist diesmal „Mensch – Körper – Tod: Der Umgang mit menschlichen Überresten im Neolithikum“. Die Deadline für die Abstracts ist der 15.11.2018. Wir freuen uns auf Eure Beteiligung und Beiträge!

Hier gehts zum CfP: download