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AG TidA plant gemeinsam mit FkA und FAiG Diskussion über Archäologie und Ethik

Für November 2015 planen das Forum kritische Archäologie (FkA) und das Forum Archäologie in Gesellschaft (FAiG) gemeinsam mit der AG TidA einen Workshop, auf dem Studierende und Lehrende archäologischer Fächer gemeinsam Themen und Perspektiven zu Ethik in der Archäologie diskutieren werden. Zur Vorbereitung der Veranstaltung sollen bereits auf der archaeoworks-Veranstaltung (http://www.dasv-ev.org/archaeoworks.html) am 8.-10. Mai 2015 verschiedene Aspekte archäologischer Ethik angesprochen und gemeinsam mit den Studierenden eine Diskussion gestartet werden, in der ihre Interessen, Meinungen und Standpunkte einbracht werden können und sollen. Dies soll auch anregen, das Thema in den Fachschaften zu diskutieren. Ergebnisse dieser Veranstaltung sowie der studentischen eigenen Auseinandersetzung werden dann in die Planung des Workshops im November einfließen. Über Details des Novemberworkshops werden wir hier in Kürze ausführlicher berichten.

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie

Wir freuen uns mitteilen zu können, dass in der Reihe Tübinger Archäologische Taschenbücher der 11. Band „Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie“, herausgegeben von unseren Mitgliedern Doreen Mölders und Sabine Wolfram erschienen ist.

Details zu diesem Band finden Sie/findet Ihr bei Waxmann: http://www.waxmann.com/index.php?id=buecher&no_cache=1&L=&tx_p2waxmann_pi1%5Boberkategorie%5D=OKA100026&tx_p2waxmann_pi1%5Breihe%5D=REI100150&tx_p2waxmann_pi1%5Bbuch%5D=BUC123970

Eine erste Besprechung des Buches ist bereits im Blog „Sprache der Dinge“ einsehbar:

https://sprachederdingeblog.wordpress.com/2015/02/23/rezension-d-morders-s-wolfram-hrsg-schlusselbegriffe-der-prahistorischen-archaologie/

Außerdem können Neumitglieder unseres Vereins dieses Buch als Willkommensgeschenk erhalten (solange der Vorrat reicht).

Internationale Konferenz: “Appropriating Innovations: Entangled Knowledge in Eurasia, 5000-1500 BCE”

Internationale Konferenz

Appropriating Innovations: Entangled Knowledge in Eurasia, 5000-1500 BCE Chr.

Heidelberg, 15.-17. Januar 2015

Um die Mechanismen und Rhythmen langfristiger kultureller Entwicklungen in ur- und frühgeschichtlichen Gesellschaften zu verstehen, ist es essentiell, technologische Innovationen in ihrer Bedeutung wie Konzeptualisierung zu verstehen. Lange Zeit wurden Veränderungen als graduell und linear betrachtet; Innovationen wurden als positiv angesehen, als ein Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit. Der Fokus lag vor allem darauf, die Herkunft der Innovationen zu lokalisieren und ihre Verbreitung nachzuverfolgen.

Unsere Konferenz soll über diesen aktuellen Stand der Diskussion hinausgehen und betont die günstigen Bedingungen für eine schnelle Verbreitung technologischer Innovationen und den Integrationsprozess neuer Technologien in die spezifischen Lebenswelten. Im Zentrum unserer Konferenz stehen vor allem zwei Schlüsselinnovationen: die Vermittlung verschiedener Komponenten der sogenannten „Secondary Products Revolution“ in Teilen des Nahen Ostens und Europas im 4. Jahrtausend v. Chr. sowie die Aneignung früher Bronzegusstechnologien, die sich im späten 3. und frühen 2. Jahrtausend v. Chr. vom Nahen Osten nach Europa und China ausbreiteten. Ein besonderes Augenmerk soll auf das nicht-technologische Wissen gelegt werden, das zusammen mit dem technologischen Wissen übermittelt wurde – insbesondere weil Letzteres immer eng verbunden ist mit dem Austausch und der Vermittlung von sozialen Bräuchen, Ideen und Mythen. Um sich die neuen Technologien wirklich anzueignen, müssen bestehende Weltanschauungen verändert und den Potentialen und Problemen der neuen Technologien angepasst werden.

Die Konferenzbeiträge konzentrieren sich daher auf die Bedingungen, die die Verbreitung von Innovationen und deren transformatives Potential begünstigen oder behindern. Sie analysieren, inwiefern die Einführung neuer Technologien und das damit verbundene nicht-technologische Wissen zu einer Transformation bereits existierender Wirtschaftssysteme und den ihnen zugrundeliegenden sozialen Ordnungen im Spätneolithikum, in der Kupferzeit und in der Frühbronzezeit in Eurasien führten, indem innovative methodische Ansätze und kontextuelle Analysen integriert werden.

Organisiert wird die Konferenz von der Interdisziplinären Forschungsgruppe MC8 des Heidelberger Exzellenzclusters „Asia and Europe in a Global Context“. Veranstaltungsort ist das Internationale Wissenschaftsforum Heidelberg. Zuhörer sind willkommen; eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben, jedoch schriftliche Anmeldung bei den Organisatoren erbeten.

Organisatoren:

Prof. Dr. Joseph Maran & PD Dr. Philipp W. Stockhammer
Cluster of Excellence „Asia and Europe in a Global Context“ &
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie
Universität Heidelberg, Marstallhof 4, 69117 Heidelberg

Kontakt: stockhammer@asia-europe.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:

Conference Appropriating Innovations, Booklet
Conference Appropriating Innovations, Flyer

Tagungsvideo der Tagung „Geschichte als Erlebnis. Performative Praktiken in der Geschichtskultur“ online

Vom 3. bis 5. Juli 2014 fand in Potsdam die Tagung „Geschichte als Erlebnis. Performative Praktiken in der Geschichtskultur“ statt. Die Tagung wurde vom Forschungsverbund „Living History: Reenacted Prehistory between Research and Popular Performance“ (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam/Universität Tübingen; gefördert von der VolkswagenStiftung) veranstaltet.

Die anregenden Diskussionen und Vorträge haben nicht nur den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel zu Denken mit auf den Weg gegeben, sondern sollen auch diejenigen erreichen, die nicht vor Ort sein konnten. Das Projekt hat daher einen filmischen ,Tagungsbericht‘ produziert. Er ist auf der Homepage des Projekts unter http://www.livinghistory.uni-tuebingen.de/?page_id=1499 oder bei Youtube  http://www.youtube.com/watch?v=vZVWEdF4b-s abrufbar.

Aktuelle Neuigkeiten Stand 8. November 2014

Liebe Mitglieder der AG TidA,

wir möchten Euch/Sie über einige Neuigkeiten informieren.

Zum Ersten freuen wir uns, mitteilen zu können (wenn auch mit ein wenig Verspätung), dass unsere Sektion „Zeitkonzepte – Zeiterfahrung – Zeitgeist“ vom 7. Deutschen Archäologiekongress erschienen ist. Ein Großteil der Beiträge konnte als Themenheft „Zeichen der Zeit. Archäologische Perspektiven auf Zeiterfahrung, Zeitpraktiken und Zeitkonzepte“ im Forum Kritische Archäologie 3 (2014) open access publiziert werden. Vielen Dank an die Herausgeberinnen Sabine Reinhold und Kerstin P. Hofmann sowie dem Herausgeber_innenkollektiv des Forums Kritische Archäologie. Das Themenheft kann unter http://www.kritischearchaeologie.de/repositorium/fka/Forum_Kritische_Archaeologie_2014_3_Reader_Zeit.pdf eingesehen und heruntergeladen werden.

Zum Zweiten danken wir allen Teilnehmenden und besonders den Referent/innen, welche uns auf dem 8. Deutschen Archäologiekongress in Berlin bei unserer Sektion “Ordnungen des Wissens” einem spannenden und diskussionsreichen Tag bescherten.

Zum Dritten fand zeitgleich unsere Mitgliederversammlung statt. Das Protokoll der Sitzung findet Ihr/findet Sie hier. Insbesondere fand eine Abstimmung über die zukünftigen Mitgliedsbeiträge statt. Es wurde beschlossen, die Beiträge für Studierende und prekär (Un)Beschäftigte auf 10 EUR zu senken, den regulären Beitrag bei 40 EUR zu belassen und für Mitglieder, welche sich aufgrund freiwilliger Selbstzuordnung zu den besser Verdienenden zählen, einen Beitrag von 80 EUR zu erheben. Dieser Beitragssatz gilt ab dem Geschäftsjahr 2015.

Zum Vierten möchten wir nochmals auf unsere Webseite (www.theorieag.de bzw. www.agtida.de) hinweisen, auf welcher wir weitere News und Informationen veröffentlichen. Hier kann auch ein RSS-Feed abonniert werden, um zeitnah auf Veränderungen unserer Seite aufmerksam gemacht zu werden.

Zum Fünften haben wir beschlossen, in Erfurt an der Veranstaltung des WSAV/MOVA vom 15.-19.6.2015 teilzunehmen. Es ist derzeit eine Podiumsdiskussion zum Thema „Perspektiven der Theorie in den Archäologien“ geplant. Außerdem wird dort unsere nächste Ordentliche Mitgliederversammlung statt, bei der auch der Vorstand neu gewählt werden wird. Genauere Informationen sowie die Einladung dazu werden selbstverständlich noch erfolgen

Anbei findet Ihr/finden Sie außerdem noch einen Flyer, welcher an den jeweiligen Instituten ausgehängt werden darf und auch der Mitgliederwerbung dienen soll. Bei Anfrage können natürlich auch gern bereits gedruckte Exemplare zugeschickt werden.

Herzliche Grüße im Namen des Vorstandes
Karin Reichenbach und Stefan Schreiber

Themenheft „Zeichen der Zeit“ erschienen

Wir freuen uns, dass unsere Sektion „Zeitkonzepte – Zeiterfahrung – Zeitgeist“ vom 7. Deutschen Archäologiekongress erschienen ist. Ein Großteil der Beiträge konnte als Themenheft „Zeichen der Zeit. Archäologische Perspektiven auf Zeiterfahrung, Zeitpraktiken und Zeitkonzepte“ im Forum Kritische Archäologie 3 (2014) open access publiziert werden. Vielen Dank an die Herausgeberinnen Sabine Reinhold und Kerstin P. Hofmann sowie dem Herausgeber_innenkollektiv des Forums Kritische Archäologie.

Themenheft als open access Publikation downloaden: http://www.kritischearchaeologie.de/repositorium/fka/Forum_Kritische_Archaeologie_2014_3_Reader_Zeit.pdf

Für eine vollständige Übersicht der Vorträge und Abstracts siehe http://v22016073679635713.nicesrv.de/sektion-am-7-deutschen-archogenkongress-vorliges-programm-mit-abstracts-juli-2011-4/)

Außerdem sind weitere Vorträge der Sektion bereits andernorts erschienen:

Eggert, Manfred K. H., Über Zeit und Archäologie. Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 52(2), 2011 (2012), 215–238.

Hinz, Martin, Preserving the past, building the future? Concepts of time and prehistoric monumental architecture. In: Martin Furholt/Martin Hinz/Doris Mischka (Hrsg.) „As time goes by?“ Monumentality, Landscapes and the Temporal Perspective. Proceedings of the international workshop „Socio-Environmental Dynamics over the last 12,000 years: The creation of landscapes II (14th-18th March 2011)“ in Kiel, Vol. 2 (Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 206) (Bonn 2012), 45–60.

Pannhorst, Kerstin, Jenseits der Chronologie? Zeit im Museum. Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 52(2), 2011 (2012), 239–251.

Schier, Wolfram, Zeitbegriffe und chronologische Konzepte in der Prähistorischen Archäologie. Prähistorische Zeitschrift 88(1-2), 2013, 258–273.

Siegmund, Frank, Schnelle Zeiten – langsame Zeiten: archäologische Chronologiesysteme als Geschichtsquelle. Archäologische Informationen 35, 2012, 259–270.

XV Nordic TAG Conference 2015

Auch 2015 gibt es wieder eine Nordic TAG Konferenz, welche diesmal vom 16.-18. April in Kopenhagen stattfindet.

Hier die Ankündigung, welche durch die Diskussion zu „The Next 30 Year in Theoretical Archaeology“ sehr vielversprechend klingt:

2015 marks the 30th anniversary of Nordic TAG and the Copenhagen conference will be the 15th Nordic TAG meeting. Thus the 2015 Nordic TAG meeting will celebrate this event by hosting a plenary discussion with the theme “The Next 30 Years in Theoretical Archaeology”.
The main idea of this theme is to discuss in which direction theories in the archaeological disciplines will develop and especially what new theories, methodologies and perspectives might influence our field in the future.

By hosting the 30th anniversary N-TAG we wish to celebrate the original idea underlying TAG conferences. Consequently there will be a focus on panel debates rather than key note lectures and we especially encourage the participation of MA and PhD students, as well as post-docs and younger scholars to participate and foster creative and wide ranging debates. Further, we aim to keep the cost of the conference and its fee as low as possible in favour of student’s participation.“

Weitere Details können über folgende Links eingesehen werden:

http://conferences.saxo.ku.dk/nordic-tag-2015/

Deadline for session proposals is: November 1st 2014
Deadline for paper submissions is: January 30th 2015

Geschichte als Erleb­nis: Per­for­ma­tive Prak­ti­ken in der Geschichtskultur – Kon­fe­renz vom 3. bis 5. Juli 2014

Vom 3. bis zum 5. Juli 2014 findet eine Tagung zum Thema “Geschichte als Erleb­nis: Perfor­ma­tive Prak­ti­ken in der Geschichtskultur” statt, organisiert vom For­schungs­pro­jekt „Living History: Ree­nac­ted Pre­history bet­ween Rese­arch and Popu­lar Per­for­mance“ des Zentrums für Zeithistorische Forschung Postdam und der Universität Tübingen, das seit 2011 von der Volks­wa­gen­Stif­tung geför­dert wird. Auf der Website des Projektes können das Plakat der Tagung sowie das Programm und die Abstracts der geplanten Vorträge eingesehen werden.

CFP Ordnungen des Wissens

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Theorie-AG (AG TidA e.V.) wird in Zusammenarbeit mit dem Forum Archäologie in Gesellschaft (FAiG) eine Sektion auf dem Deutschen Archäologiekongress 2014 gestalten. Bitte finden Sie folgend den Call for Papers zum Thema “Ordnungen des Wissens – Disziplinäre Macht im archäologischen Diskurs”.
Da die Zeit etwas drängt, würden wir uns über baldige Rückmeldungen
und Vortragsvorschläge sehr freuen.

Mit herzlichen Grüßen
Karin Reichenbach und Thomas Meier

Call for Papers

„Ordnungen des Wissens – Disziplinäre Macht im archäologischen Diskurs“

Sektion der AG Theorien in der Archäologie (AG TidA e.V.) und des Forums Archäologie in Gesellschaft (FAiG) beim 8. Deutschen Archäologiekongress, 6.-10. Oktober 2014 in Berlin

„Es ist immer möglich, daß man im Raum eines wilden Außen die Wahrheit sagt; aber im Wahren ist man nur, wenn man den Regeln einer diskursiven ‘Polizei’ gehorcht, die man in jedem seiner Diskurse reaktivieren muss.
Die Disziplin ist ein Kontrollprinzip der Produktion des Diskurses. […] Gewöhnlich sieht man in der Fruchtbarkeit eines Autors, in der Vielfältigkeit der Kommentare, in der Entwicklung einer Disziplin unbegrenzte Quellen für die Schöpfung von Diskursen. Vielleicht. Doch ebenso handelt es sich um Prinzipien der Einschränkung, und wahrscheinlich kann man sie in ihrer positiven und fruchtbaren Rolle nur verstehen, wenn man ihre restriktive und zwingende Funktion betrachtet” (Foucault 1972 [1993], 25).

Mit Michel Foucaults inzwischen deutlich verfeinertem diskurstheoretischen Ansatz nebst Werkzeugkasten und vor allem seiner betont machtkritischen Perspektive lässt sich auch für die deutschsprachige Archäologie die Frage aufwerfen, welches archäologische Wissen innerhalb des Faches als wissenschaftlich, als – um es mit Foucault zu sagen – „im Wahren“ gilt, und welches ausgeschlossen ist, und besonders wodurch diese Zuschreibungen entstehen. Wodurch und von wem wird bestimmt, was gedacht/gesagt/getan werden darf, und was geschwiegen werden muss. Wie werden Wissen und seine Objekte, die nicht „im Wahren” sind, ausgegrenzt und zum Schweigen gebracht: „What silences us?“, wie John Barrett bei einem Round Table zu diesem Thema 2013 in Pilsen fragte (Meier/Reichenbach im Druck).
Neben dem Charakter herrschender disziplinärer Diskursordnungen, ihrem Gewachsensein und ihrer (möglichen) Abhängigkeit von außerfachlichen Wirkmächten geht es uns auch um Orte und Strategien der (Re)Produktion von „wahrem” Wissen bzw. der Saktionierung oder des Zum-Schweigen-Bringens „unwahren” Wissens. Wir möchten ein Nachdenken über die Mechanismen disziplinärer Macht anstoßen und zur Diskussion stellen, ob wir nicht tagtäglich durch das Befolgen und damit verbundene Aufrechterhalten der disziplinären Diskursordnung(en) dazu beitragen, nicht-konformes Wissen von vornherein abzuwehren und auf diese Weise nur Mainstream zu erzeugen, und schlimmer noch: neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu verhindern?

Wir bitten um Vortragsvorschläge für folgende Themenblöcke:
1. Wie wirkt die (Selbst)Verortung der Archäologie in Gesellschaft und Wissenschaft diskursprägend: Welche wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurse bestimmen das Wissenschaftsideal der Archäologie(n), wo verortetet sich das Fach in den Wissenschaften/der Wissenschaftslandschaft allgemein, welche Ansprüche werden an „Wissenschaftlichkeit” und „Wahrheit” bzw. welche Bedingungen an ein „Im-Wahren-Sein” gestellt.
Seit der „naturwissenschaftlichen“ Wende der Geisteswissenschaften im späteren 19. Jahrhundert muss archäologisches Wissen (auch?) naturwissenschaftlich erscheinendes/präsentiertes Wissen sein. Wir denken etwa an die Erwartungshaltung, mit naturwissenschaftlichen Methoden kulturwissenschaftliche Fragestellungen klären zu können.
Das Cartesische Weltbild als dominante Sicht auf die Welt der europäischen Moderne (Ingold 1993) erschwert nicht nur die Rezeption phänomenologischer, sondern auch sozial-konstruktivistischer Ansätze (Bender 1998; Cosgrove 2004, 58). Der zunehmende Einsatz von GIS-Analysen verstärkt diesen Trend bereits durch die Wahl des Werkzeugs.
Die positivistische Überzeugung, das Material sei die Basis allen Wissens, und aus ihr heraus lasse sich induktiv die wahre Vergangenheit rekonstruieren, wird durch dominante Strömungen des new materialism bzw. material turn (z.B. Latour, Gumbrecht) mit aktualistischer Theorie aufgepeppt und sorgt für neues Selbstbewusstsein, materielle Kultur „aus sich heraus“ zu interpretieren.
Entgegen dem Trend zur Vernaturwissenschaftlichung der Geisteswissenschaften führt die gesellschaftliche Fixierung auf Schrift als Träger „wahrer“ Information dazu, dass Archäologien in historischen Epochen nicht ohne Schriftquellenbezug arbeiten wollen/dürfen, während Historikerinnen und Historiker dieser Epochen kein zwingendes Bedürfnis verspüren, ihre Interpretationen mit archäologischem Wissen abzugleichen.
Archäologisches Wissen ist konzeptionell (als Kulturtechnik) weißes, männliches, (west)europäisches Wissen, und es baut auf einem Bildungskanon der Mittelschicht auf (Bildungsbürgertum) (z.B. Berg 2001). Alle diese Aspekte werden durch die Struktur archäologischen Wissens unterstützt und legitimiert, sie dominieren andere kulturelle Formen historischer materieller Erinnerung. Doch außer dem Gender-Aspekt werden in der deutschen Archäologie andere Privilegierungen und Ausgrenzungen kaum thematisiert.

2. In welche Teildiskurse werden gültiges archäologisches Wissen und Wahrheiten z. B. in den Bereichen Universität, Museum und Bodendenkmalpflege aufgefächert, wie unterscheiden sie sich? Wo wird das sichtbar und wie/warum entstehen Unterschiede?

3. Ordnungshüter, Machtbewahrer – Wer und was hält Diskursordnungen aufrecht? Wie und wo lassen sich Diskursordnungen als/und disziplinäre Machtstrukturen offenbaren, also wo sind die – mit Foucault – Dispositive als „institutionalisierte infrastrukturelle Momente und Maßnahmebündel” freizulegen, die Diskurse reproduzieren und vollziehen und somit Diskursmacht ausüben (Keller 2004, 63). Derartige Strukturen, in denen Diskursordnungen sichtbar oder gegenständlich werden, könnten beispielsweise Peer Review- und andere Begutachtungsverfahren, akademische Rituale und Verfahren, Schulenbildung und Zitierkartelle nebst Sprachbarrieren, Gender- und Political Correctness-Vorgaben, der Druck, sich an interdisziplinären Forschungsverbünden zu beteiligen, „Exzellenzstalinismus“ und „Evaluierungsbuchhaltung” (Weichhardt 2012) u.ä. sein. Dabei geht es nicht darum, diese Verfahren grundsätzlich nur unter dem Aspekt der Machtausübung zu verstehen, doch ist zu fragen, wie sie als taugliche Mittel der Wissenschaftlichkeit konzipiert werden können, ohne zugleich machtvolle Diskurse zu (re-)produzieren.

4. Und schließlich, welche Effekte und Auswirkungen auf die Arbeit des Faches bewirken die Diskurse, also wie wirken sich Diskursordnungen auf archäologisches Analysieren, Interpretieren und Erzählen aus: Wir denken an konkrete Fallbeispiele, in denen sich die Diskursordnungen, unter denen eine archäologische Interpretation entstand, in der historischen Interpretation selber widerspiegelt.

Wir erbitten Vorschläge mit kurzem Abstract (max. 15 Zeilen) bis 15. April an Karin Reichenbach (reichenbach@uni-leipzig.de) und/oder Thomas Meier (thomas.meier@zaw.uni-heidelberg.de). Je nach thematischem Schwerpunkt stellen wir uns „normale“ Vorträge (ca. 20 Minuten, kürzere Diskussion) oder stimulierende Kurzbeiträge (max. 10 Minuten, 20 Minuten Diskussion) vor.

Barbara Bender, Stonehenge. Making space (Oxford/New York 1998).
Lawrence D. Berg, Masculinism, Emplacement and Positionality in Peer Review. The Professional Geographer 53:4, 2001, 511-521.
Denis Cosgrove, Landscape and Landschaft. German Historical Institute Bulletin 35, 2004, 57-71.
Michel Foucault: L’ordre du discours = Inauguralvorlesung am Collège de France 1970 (Paris 1972) [wir zitieren nach der deutschen Ausgabe: Die Ordnung des Diskurses, Frankfurt/Main, 1993].
Tim Ingold, Globes and Spheres. The Topology of Environmentalism. In: Kay Milton (Hrsg.), Environmentalism: The View from Anthropology (London 1993) 31-42.
Reiner Keller, Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen (Opladen 2004).
Thomas Meier/Karin Reichenbach, Orders of Knowledge. Disciplinary Powers in the Archaeological Discourse. Round Table Report TEA (im Druck).
Peter Weichart, „Slow Science“ versus Exzellenzstalinismus. Vom Nutzen wissenschaftlicher Reflexionen abseits der Evaluierungsbuchhaltung. In: Marc Michael Seebacher (Hrsg.), Raumkonstruktionen in der Geographie. Eine paradigmenspezifische Darstellung gesellschaftlicher und fachspezifischer Konstruktions-, Rekonstruktions- und Dekonstruktionsprozesse. Unter Mitarbeit von Peter Weichhart. Abhandlungen zur Geographie und Regionalforschung 14 (Wien 2012) 7-38.