Lesetipps Oktober bis November

Bei den Lesetipps kann es sich dabei um Klassiker handeln (hier haben wir noch Nachholbedarf… Anregungen?), spannende Neuerscheinungen, oder auch anregende Texte, die bisher nicht in den Archäologien berücksichtigt wurden – und das zu unrecht.

Damit die Lesetipps nicht nur in den sozialen Medien (Facebook und Twitter) kursieren, möchten wir alle 2 Monate in einer Mail die jeweils letzten 8 Lesetipps gesammelt herumschicken. Auch eine Sammlung und Archivierung auf der
Webseite ist angedacht.

Wenn Ihr der Meinung seid, euch fehlt noch ein spannender Tipp in der Liste, oder Ihr Anregungen und Kritik am Format habt, dann schreibt an
Alexander.Veling@gmx.de.

Erste Eindrücke & Impressionen des Workshops »Anarchistische Ansätze & Archäologie« in Hamburg

Traffic Sign Art in Florence (Fotogrundlage: http://photoblog.kuppke.de/albums/traffic-sign-art/content/204-1/])

Vom 15. bis zum 17.11.2018 fand in Kooperation mit Anarchaeologie und unterstützt durch das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie Hamburg an selbiger Universität der 2. jungwissenschaftliche Workshop der 2017 gegründeten Veranstaltungsreihe ›Theory in Practice statt. Thema diesmal: »Anarchistische Ansätze und Archäologie. Vergangene Gemeinschaften, Methodenpluralismus und Wissensliberation«. Auch in diesem Jahr konnten wir Teilnehmer*innen unterschiedlicher Disziplinen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zu unserer partizipativ angelegten Veranstaltung begrüßen.

Idee des Workshops war es grundsätzlich, etwa drei größere Diskussionsstränge fragend in den Blick zu nehmen. Zum einen interessierte auf analytischer Ebene, ob und wie sich Anarchismen und eventuell darauf abzielende Emanzipationsbewegungen in der Vergangenheit archäologisch nachweisen lassen. In abstrakter, metaarchäologischer Betrachtungsweise sollten zudem die Mechanismen der (archäologischen) Wissensproduktion und -weitergabe sowie Zugänglichkeit zu Wissen beleuchtet werden, da sie immer auch machtanfällig sind und dementsprechend ein Steuerungs- und Kontrollinstrument formieren können; gleiches gilt in ähnlicher Weise für Methoden zur Datengenerierung. Wie könnte nun eine Liberation durch eine De-Hierarchisierung aussehen? Bis zu welchem Punkt wäre dies notwendig, bis zu welchem weiterhin sinnvoll und vor allem für wen? Wie sähen Modelle der partizipativen Wissensentstehung und -vermittlung aus (Stichwort Prosument*innen)? Auf der dritten Ebene schließlich standen Fragen des Arbeitsalltages selbst im Mittelpunkt: Welche Autoritätsformen sowie Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse im archäologischen Alltag sind zu überwinden? Welche Rolle nimmt dabei die Organisation in Verbänden ein? Sind Begriffe wie Solidarität, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung in der Wissenschaft tragfähig?

Eine anregende und breit angelegte Podiumsdiskussion bildete am Donnerstagabend einen willkommenen sowie gelungenen Auftakt. Daniela Hofmann, Martin Furholt und Stephanie Merten diskutierten mit den Organisator*innen und dem Auditorium über emanzipative, partizipative und kollaborative Ansätze nicht nur in der Wissenschafts- und Forschungsstruktur, sondern ebenso in der außeruniversitären Arbeitswelt. Aber auch Aspekte zur Wissensvermittlung und -öffnung, Wissensweiter- sowie -freigabe bis hin zu Überlegungen auf analytischer Ebene, welche die vergangenen soziokulturellen Formationen und deren Organisationsmodi hinsichtlich etwaiger anarchischer Formen des Zusammenlebens in den Blick nahmen, waren Diskussionsthemen. Dabei wurde deutlich, dass auf allen Ebenen eine weitergehende und breit geführte Debatte nicht nur auf großes Interesse stößt und fruchtbar sein dürfte, sondern mitunter auch notwendig erscheint und teilweise erst noch angestoßen werden muss, um Chancen wie Potentiale im gemeinsamen Diskurs auszuloten, aber auch Herausforderungen sichtbar zu machen und etwaige Konzepte der Umsetzung zu erarbeiten.

Foto: Steffi Merten

Am zweiten Tag stand zunächst die Besprechung der im Workshopreader zusammengestellten Texte in Kleingruppen und die Präsentation der Ergebnisse dieser intensiven Beschäftigung im Fokus des Workshops. Darauf folgten im späteren Verlauf des Tages die inspirierenden Impulsvorträge mit ihren vielfältigen Themenschwerpunkten und deren Diskussion. Referiert wurde über Squattersiedlungen als alternative Raumaneignungspraxis in Südwestasien und deren Erforschungspraxis (Georg Cyrus) ebenso wie über flexible und situative Formen der sozialen Organisation und temporär beschränkten Machtkonzentrationen nicht-bäuerlicher Gemeinschaften (Wiebke Mainusch). Ein Impuls wandte sich dem Thema der Dezentralität, Solidarität und ökonomischen Ungleichheit aus ethnoarchäologischer Perspektive am Beispiel der Naga-Gemeinschaft zu (Maria Wunderlich), ein weiterer rückte die Überlegungen Sigrists zu ›regulierter Anarchie‹ in segmentären Gesellschaften in das Zentrum der Ausführungen (Elisabeth Waldhart). Wieder andere stellten die Konzepte der Geschichtsauffassung anarchistischer Denker wie Bakunin und Kropotkin zur Diskussion (Jonathan Eibisch) oder gingen auf den wissenschaftstheoretischen Diskurs zu Macht, Herrschaft und relationalen Gefügen zwischen Menschen, aber auch Multi-Spezies-Geflechten ein (Stefan Schreiber & Martin Renger). Und ein weiterer Vortrag über die Dokumentation und Sichtbarmachung von Fluchtspuren im Mittelmeerraum jüngsten Datums brachte die politische Dimension archäologischen Wirkens deutlich zum Tragen (Geesche Wilts). Wie die Impulse selbst war auch die jeweils daran anschließende gemeinsame Auseinandersetzung und Debatte um die Inhalte der Vorträge bereichernd und zeigte die Spannbreite möglicher und weiterführender Diskussions- sowie Anknüpfungspunkte um und an das Workshopthema auf.

Der Fokus des dritten Tages lag ganz im Sinne des Konzeptes der Workshopreihe auf einem World-Café im Open-Space-Format. An fünf verschiedenen Tischen mit Themen zu ›Anarchie und Emanzipation im Arbeitsalltag‹, ›Anarchistische Vergesellschaftungen: nichthierarchische & alternative Gesellschaftsformen‹, ›Wider den Methodenzwang: DIY-, Punk-, Counter- & Grassroots-Archaeologies‹, ›Wissensliberation: Wege zu einem anarchistischen Wissensmodell?‹, ›Widerstand, Rebellion & Subversion: Wem „hören“ wir zu und wen können wir „hören“?‹ debattierten und reflektierten in fünf Durchläufen und wechselnden Diskussionsgruppen die Teilnehmer*innen engagiert und interessiert in anregender Atmosphäre themenbezogene Ansätze sowie Möglichkeiten, tauschten Erfahrungen, Gedankenfragmente sowie Ideenskizzen aus und erörterten genauso bestehende Fragen und Herausforderungen wie unmittelbar durch das Brainstorming neu aufgeworfene.

Format und Workshop insgesamt wurden begeistert aufgenommen. Ein weiteres Mal zeigte sich, wie wichtig und stimulierend eine angenehme, kreative, aufeinander Rücksicht nehmende und offene Diskussionskultur ist.

Eine Fortsetzung der Auseinandersetzung ist geplant.

Erste Impressionen bei Twitter unter @AgTida #anarchäologie

CfP „Mensch – Körper – Tod: Der Umgang mit menschlichen Überresten im Neolithikum“

Die AG TidA richtet gemeinsam mit der AG Neolithikum auf der Jahrestagung des WSVA und MOVA in Würzburg am 2.-4. April eine gemeinsame Sektion aus. Thema ist diesmal „Mensch – Körper – Tod: Der Umgang mit menschlichen Überresten im Neolithikum“. Die Deadline für die Abstracts ist der 15.11.2018. Wir freuen uns auf Eure Beteiligung und Beiträge!

Hier gehts zum CfP: download

CfP für Workshop „Socio-Environmental Dynamics over the Last 15,000 Years: The Creation of Landscapes VI“

Vom 11.-16. März 2019 findet in Kiel der International Open Workshop 2019 „Socio-Environmental Dynamics over the Last 15,000 Years: The Creation of Landscapes VI” statt. Ganze 18 Sessions sind geplant, für die bis zum 15.11.2018 die Call for Papers laufen. Zum Überblick über die CfP, Sessions und den Workshop geht’s hier: http://www.workshop-gshdl.uni-kiel.de/

Besonders freuen wir uns über eine Kooperation der AG TidA mit den Organisatoren Artur Ribeiro und Vesa Arponen der Session 17 „Determinism in archaeology: What is it and why does it matter?“, zu der wir natürlich ganz herzlich zur Beteiligung aufrufen: http://www.workshop-gshdl.uni-kiel.de/workshop-sessions-2019/session-2019-17/.

Workshop „Neo-völkische Geschichtsbilder in populären Vergangenheitsaneignungen im östlichen Europa“

Vom 27.-28. September 2018 findet in Leipzig der Workshop „Neo-völkische Geschichtsbilder in populären Vergangenheitsaneignungen im östlichen Europa. Neuheidentum – Reenactment – Musikszene“ statt.

Das Programm und den Flyer dazu findet ihr hier.

In rechtsextremen (Sub)Kulturen lässt sich seit einigen Jahren wieder ein verstärkter Rückgriff auf vermeintlich bis in vor- und frühgeschichtliche Zeiten zurückreichende Traditions- und Herkunftslinien beobachten. Insbesondere vorchristliche Gesellschaften dienen als Identifikationsobjekte und Projektionsflächen für scheinbar „natürliche“ und „unverfälschte“ Lebensbilder, Spiritualität und Gesellschaftsordnungen. Die Konstruktion solcher Kontinuitäten reproduziert Auffassungen von zumeist biologistisch verstandenen Zugehörigkeiten im Sinne eines Ethnonationalismus und schafft gleichzeitig Abgrenzungen gegenüber anders interpretierten Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart. Der Workshop stellt das Aufgreifen völkischer Geschichtsbilder in Populärkulturen des östlichen Europa zur Diskussion und nimmt anhand konkreter Beispiele in den Blick, wie durch selektive historisierende Bezüge und Vergangenheitserzählungen nationalistische und rassistische Ideologien in die Mitte der Gesellschaft getragen werden können.

 

 

CE-TAG 2018 „The Production of Space and Landscape“ – 8.-9. Oktober 2018

Vom 8. bis 9. Oktober 2018 findet an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg die  5. Konferenz der ‚Central European Theoretical Archaeology Group‘ zum Thema ‚The Production of Space and Landscape‚ statt.

Conference venue: Haus zur Lieben Hand, Löwenstraße 16, 79098 Freiburg, Germany

Organizing committee: Michael Kempf and Margaux Depaermentier, Archaeological
Institute, Dep. Early Medieval and Medieval Archaeology, University of Freiburg.

Registration fee: €20 (payable upon arrival at the conference venue)

Conference language: The official language of the conference is English.

Programme (auch als downloadbares pdf sowie mit abstracts):

Monday, 8th October 2018

10:15 Registration

10:45 Conference Opening

11:00 Keynote Lecture: Moving in space and time – Thomas Meier

12:00 Lunch Break

1. Concepts and Cognition

13:30 Spaces and Places. A Foucaultian inspired theoretical commentary – Martin Renger, Stephanie Merten

13:50 Landscape, spacing and the modern megalithic thinking – Karolína Pauknerová

14:10 Is it Greek? Reconsidering social space in Ai Khanum – Artur Ribeiro, Milinda Hoo

14:30 Virgil and the production of ‚mixed‘ landscape: surroundings of
Taranto in Georgics (4.125-140) – Francesca Boldrer

14:50 Coffee Break

15:10 „Was Gott durch einen Berg getrennt hat“ … Boundaries as practice
and phenomenon of attribution – Alexander Gramsch

15:30 Physical versus cognitive maps in modeling hunter-gatherers spatial
behavior: The case of Late Paleolithic groups in the eastern part of
the North European Plain – Aleksandr Diachenko, Iwona Sobkowiak-Tabaka

15:50 Landscape Marking in the Ulúa Iconographic Tradition – Kathryn M. Hudson, John S. Henderson

16:10 Mapping the Invisible Landscape – Miguel Costa

16:30 General Discussion
17:00 Wine reception and Apéro dînatoire – Venue: Archaeological Institute, Dep. Prehistoric Archaeology, Early Medieval and Medieval Archaeology, Belfortstrasse 22, 79098 Freiburg – Inner Courtyard.

Tuesday, 9th October 2018
2. Tools and Application

9:00 “Invisible scenarios, creating space in buried context. Experiences,
limits and perspectives” – Fabiana Battistin

9:20 Modelling Mesopotamia – The production of emerging power
relations in an irrigated landscape – Maurits W. Ertsen

9:40 Testing methods for identifying boundaries in archaeology – Irmela Herzog

10:00 Errands for erratics: modelling and explaining megalithic spacing on
glacial moraines – Eva Rosenstock, Marcus Groß

10:20 Coffee Break

10:40 Diffusing archaeological space – Matthias Kucera

11:00 “The use of Space Syntax for studying buried cities: the case of the
Roman town of Falerii Novi (IT)”
Fabiana Battistin

11:20 Urban kinaesthetics – movement in constructed space – Monika Baumanova

11:40 On the orientation patterns of the Central European Neolithic circular
enclosures according to geographical regions – Judit P. Barna, Emília Pásztor, Jaromír Kovárník, István Eke

12:00 Lunch Break

13:30 On the Significance of Landscape in Minoan Archaeology – Sebastian Adlung

13:50 On the way to the mountains – Relation between the lowland and
piedmont areas in the Late Bronze Age – Anna Augustinová

14:10 An Iron Age liminal landscape on the Swabian Jura, SW Germany – Jan Johannes Ahlrichs

14:30 Coffee Break

14:50 The fragmentation of landscape – Early Medieval land-use strategies
and settlement continuity in the Upper Rhine Valley – Michael Kempf

15:10 Societies, space and structures – Susanne Brather-Walter

15:30 General Discussion

16:00 End of Meeting

CfP „Anarchistische Ansätze & Archäologie. Vergangene Gemeinschaften, Methodenpluralismus & Wissensliberation“

Traffic Sign Art in Florence (Fotogrundlage: http://photoblog.kuppke.de/albums/traffic-sign-art/content/204-1/])

In unserer Workshop-Reihe „Theory in Practice“ veranstalten wir vom 15.-17. November 2018 in Hamburg unseren nächsten Jungwissenschaftler*innen-Workshop in Kooperation mit Anarchaeologie und unterstützt durch das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie Hamburg. Dazu möchten wir Euch ganz herzlich einladen. Thema ist diesmal:

„Anarchistische Ansätze und Archäologie. Vergangene Gemeinschaften, Methodenpluralismus und Wissensliberation

Den Call for Participation, Papers & Posters findet Ihr hier: http://www.agtida.de/wp-content/uploads/2018/05/CfP-Anarchismus-Archäologie.pdf.

Als Einstieg wird es am 15.11. eine öffentliche Podiumsdiskussion geben:

Leider ist der Workshop in seiner Größe auf 40 Personen begrenzt, um eine angeregte Diskussionsatmosphäre zu ermöglichen; eine Anmeldung bis zum 31. August ist daher verbindlich erforderlich. Wir freuen uns auf eure Beteiligung.

Kulturerbe = Kulturpflicht? Neue Publikation der AG TidA erschienen

Soeben ist eine neue Publikation der AG TidA erschienen. Der Band „Kulturerbe = Kulturpflicht? Theoretische Reflexionen zum Umgang mit archäologischen Orten“, herausgegeben von Kerstin P. Hofmann, Ulf Ickerodt, Matthias Maluck und Patricia Rahemipour, sammelt unterschiedliche Reflexionen zu diesem Thema und profitiert von den jeweiligen Standortbestimmungen auf Basis der individuellen organisatorischen Einbettung und beruflichen Praxis. Das umschriebene Themenfeld wurde daher in der Sektion „Kulturerbe=Kulturpflicht? Theoretische Reflexionen zum Umgang mit archäologischen Orten in Deutschland“ aufgegriffen. Die Veranstaltung selbst fand am 29. Mai 2012 im Rahmen der Tagung des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumsforschung statt und wurde von der AG Theorien in der Archäologie e. V. und dem Forum für Archäologie in Gesellschaft organisiert. Allen Referent*innen und Diskutant*innen sowie den Autor*innen dieser Publikation sei für ihr Engagement gedankt, über den Umgang mit dem archäologischen Erbe so bereitwillig nachzudenken.

Der Band kann hier bestellt werden: http://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/ALSH/Information/SchriftenVerkauf/Schriften/kulturerbe_kulturpflicht.html

CfP: Sozialwissenschaften – mit oder ohne „Gesellschaft“?

Am 21./22. Juni 2018 findet in Kassel ein interdisziplinärer Workshop in Kooperation der Sektionen Kultursoziologie und Soziologische Theorie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) statt. Explizit ist auch die Archäologie angesprochen, Gesellschafts- und Kollektivbegriffe neu zu (über)denken.

Den Call for Abstracts findet ihr hier: http://www.heike-delitz.de/Gesellschaft_2018_CfP.pdf

Die Deadline ist der 15.3.2018