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EAZ 52/1, 2011

Liebe Leserinnen und Leser, das hier vorgelegte Heft markiert die Rückkehr der EAZ zu einem regelmäßigen Erscheinungsmodus. Nachdem durch den Wechsel der Zeitschrift nach Leipzig eine völlige organisatorische Neuaufstellung notwendig wurde und deshalb der Jahrgang 51 nur verspätet und in Form eines Doppelhefts erschein- en konnte, soll ab dieser Lieferung der neue Erscheinungsmodus mit jeweils zwei Heft- en pro Jahr einsetzen. Zugleich wird die EAZ vom Waxmann-Verlag zukünftig parallel auch in einer digitalen Ausgabe angeboten werden.

Mit diesem Heft haben wir auch das Begutachtungsverfahren im Sinne eines klassis- chen Peer Review-Systems systematisiert. Es wird hauptsächlich von einem neu etabli- erten Beirat getragen, der Herausgeber und Redaktion auch in Fragen der inhaltlichen Entwicklung der Zeitschrift berät. Dem Beirat gehören momentan folgende Kollegin- nen und Kollegen an, denen ich für ihre Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung an dies- er Stelle herzlich danken möchte: Martin Bartelheim (Tübingen), Stefan Burmeister (Kalkriese), Manfred K. H. Eggert (Tübingen), Alexander Gramsch (Herxheim), Mat- thias Hardt (Leipzig), Hans Peter Hahn (Frankfurt/M.), Svend Hansen (Berlin), Tobias Kienlin (Bochum), Frank Nikulka (Hamburg), Thomas Meier (Heidelberg), Nils Mül- ler-Scheeßel (Frankfurt/M.), Martin Porr (Crawly, AUS), Sabine Wolfram (Dresden/ Chemnitz) und Hans-Peter Wotzka (Köln).

Der Kern des vorliegenden Heftes bildet wieder ein Schwerpunktthema, dessen Be- iträge aus einer Sektion der Arbeitsgemeinschaft Theorie (inzwischen: AG Theorien in der Archäologie e. V.) hervorgegangen sind. Ich möchte den beiden Organisatorinnen dieser Sektion, Karin Reichenbach und Wiebke Rohrer, für ihr Engagement herzlich danken.

Eine Zeitschrift lebt in erster Linie von ihren AutorInnen und LeserInnen. In bei- den Bereichen ist noch Luft nach oben. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, alle Leserinnen und Leser an dieser Stelle nochmals zur Einreichung von geeigneten Manuskripten zu ermuntern. Neben Einzelbeiträgen ist auch der Abdruck von thema- tisch zusammenhängenden Beiträgen beispielsweise auf der Grundlage kleinerer Ta- gungen oder Workshops möglich. Neuerscheinungen können zur Besprechung vorge- schlagen werden.

Informationen zur Einreichung von Manuskripten und Rezensionsexemplaren finden Sie auf der Internetpräsentation der EAZ (http://www.uni-leipzig.de/~ufg/). Dort in- formieren wir auch über die verschiedenen Bezugsmöglichkeiten der Zeitschrift. Durch Ihr Abonnement helfen Sie den Fortbestand der EAZ zu sichern.

In diesem Zusammenhang ist es mir eine angenehme Pflicht, einem Förderer, der na- mentlich nicht genannt werden möchte, herzlich für eine großzügige Spende zu dank- en. Sie kann dafür eingesetzt werden, die EAZ in der schwierigen Periode des Aufbaus eines neuen Abonnentenstammes finanziell zu stützen.

Leipzig, im Juni 2012 Ulrich Veit

 

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Schwerpunktthema
Wissenschaftsgeschichte der Archäologie: Ansätze, Methoden, Erkenntnispotenziale

Karin Reichenbach & Wiebke Rohrer

Fachgeschichte(n) der Prähistorischen Archäologie. Zum Schwerpunktthema dieses Hefts

Susanne Grunwald

Fachgeschichte als kollektive Erinnerungspraxis.
Schwerpunkte in der Historiografiegeschichte der deutschen Prähistorischen Archäologie

Ulrich Veit

Archäologiegeschichte als Wissenschaftsgeschichte:
Über Formen und Funktionen historischer Selbstvergewisserung in der Prähistorischen Archäologie

Nils Müller‐Scheeßel

»Forschungsgeschichte« einmal anders:
Soziale, politische und ökonomische Einflüsse auf Ausgrabungen in ältereisenzeitlichen Grabhügeln Süddeutschlands

Tim Kerig

Grahame Clark und die mitteleuropäische Archäologie: Eine vergleichende Rezeptionsgeschichte

Manuel Fernández‐Götz & Francisco José García Fernández

Die ethnische Fragestellung in der spanischen Archäologie: Eine wissenschaftsgeschichtliche Perspektive

Fabian Link

Erkenntnispotenziale wissens‐ und wissenschaftssoziologischer Ansätze für eine Geschichte der Burgenforschung im Nationalsozialismus

Tagungsbericht

Gerson H. Jeute

Das lange 10. Jahrhundert – Struktureller Wandel zwischen Zentralisierung und Fragmentierung, äußerem Druck und innerer Krise. Tagung in Mainz vom 14.–16. März 2011.

Rezensionen

J. Baumgarten, Die Ammarin. Beduinen in Jordanien zwischen Stamm und Staat. Bibliotheca Academica, Orientalistik 18. Würzburg: Ergon‐Verlag 2001 (Marion Benz).

B. J. Nemes/A. Rabus (Hrsg.), Vermitteln – Übersetzen – Begegnen. Transferphänomene im europäischen Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Interdisziplinäre Annäherungen. Nova Mediaevalia. Quellen und Studien zum europäischen Mittelalter 8. Göttingen: V&R unipress 2011 (Sebastian Roebert).

J. Stadler, Nahrung für die Toten? Speisebeigaben in hallstattzeitlichen Gräbern und ihre kulturhistorische Bedeutung. Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 186. Bonn: Dr. Rudolf Habelt 2010 (Melanie Augstein).

EAZ 51/1-2, 2010

Editorial

Als Folge der Schließung des traditionsreichen Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschich- te der Berliner Humboldt-Universität zum Sommersemester 2010 ist mit Heft 4 des 50. Jahrgangs (2009) im Oktober 2010 das letzte von Johan Callmer und Ruth Struwe ver- antwortete Heft der »Ethnographisch-Archäologischen Zeitschrift« (EAZ) erschienen. Damit endet eine fünfzigjährige Publikationstradition in Berlin. In dieser Zeit hatte die Humboldt-Universität durch personelle und logistische Unterstützung ein Überleben der Zeitschrift auch in schwierigen Zeiten, wie etwa nach der Wende, gesichert. Die EAZ hat sich in dieser Zeit zu einem wichtigen und lebendigen Forum des fachlichen Austauschs innerhalb der Ur- und Frühgeschichte wie auch zwischen dieser und an- grenzenden Wissenschaften wie Ethnologie und Physischer Anthropologie entwickelt. Sie ist außerdem wie keine zweite archäologische Fachzeitschrift ein Spiegel der poli- tischen und weltanschaulichen Veränderungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun- derts.

Es gibt also Gründe genug, den Fortbestand der EAZ zu sichern. So konnte sich der Unterzeichnende der an ihn herangetragenen Bitte, die Weichen für eine Fortfüh- rung der Zeitschrift an der Professur für Ur- und Frühgeschichte der Universität Leip- zig zu stellen, nicht verschließen. Allerdings lassen die veränderten Rahmenbedingun- gen, wie die hier bislang noch fehlende Infrastruktur für Redaktion und Vertrieb eben- so wie die durch die digitale Revolution ausgelösten Veränderungen im Verlagswesen, auf Dauer eine einfache Fortschreibung der bisherigen Strukturen nicht zu. Vielmehr sind harte Schnitte verbunden mit einer gewissen Neuausrichtung der Zeitschrift nö- tig, um dauerhaft ein Weiterbestehen der EAZ zu sichern. Der Leipziger Lehrstuhl ist nicht in der Lage, diese Aufgabe alleine zu schultern. Dies kann letztlich nur dann ge- lingen, wenn alle Beteiligten – Autoren, Abonnenten, Leser, Redakteure (die weibliche Form sei jeweils mitgedacht) und Verlag – aktiv mit dazu beitragen. Mit der Arbeits- gemeinschaft Theorien in der Archäologie e.V. beim Präsidium der deutschen Alter- tumsverbände und dem Waxmann Verlag Münster konnten zwischenzeitlich aber zwei kompetente Partner gewonnen werden, die dabei mithelfen wollen, die EAZ nicht nur zu erhalten, sondern entsprechend der Bedingungen der Gegenwart weiterzuentwi- ckeln. Die nach der Entpflichtung des alten Beirats notwendig gewordene Bestellung ei- nes neuen wissenschaftlichen Beirats steht unmittelbar bevor. Seine Hauptaufgabe wird in der Sicherung des wissenschaftlichen Standards der vorgelegten Beiträge bestehen. Es ist vorgesehen, ein Peer-Review-Verfahren zu etablieren, dem sich alle eingereichten Forschungsbeiträge zu unterziehen haben werden. Beirat und Theorie-AG stehen aber auch bereit, um den Herausgeber im Hinblick auf die Einwerbung von Manuskripten sowie in Fragen der Weiterentwicklung des inhaltlichen Profils der EAZ zu unterstützen. Allerdings wollen wir auch am Bewährten festhalten.

Die EAZ steht in der Tradition des interdisziplinären Zusammenwirkens von Ur- und Frühgeschichte (Ur- und Frühgeschichtlicher Archäologie), Ethnologie (Kulturan- thropologie) und Physischer Anthropologie mit dem Ziel, zu einem besseren Verständ- nis der frühen geschichtlichen Entwicklung des Menschen zu kommen. Sie fühlt sich aber ebenso jenen Traditionen innerhalb der Altertums- und Geschichtswissenschaften verbunden, die aus einer vergleichenden Perspektive heraus versuchen, begründete Ein- blicke in die Entwicklung früher Kulturen zu geben.

In diesem Sinne möchte sie auch in Zukunft Beiträge vorlegen, die in exemplari- scher Weise Grundsatzfragen der archäologischen Fächer (insbesondere Urgeschicht- liche Archäologie, Frühgeschichtliche Archäologie, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit) aufgreifen und in einer die engeren Fächergrenzen transzendierenden Weise zu klären bemüht sind. Schwerpunkte bilden hierbei traditionell die Ethnoarchäologie sowie seit einigen Jahren auch die Historische Archäologie. Jedoch sind mögliche Bei- träge keineswegs auf diese Bereiche beschränkt. Vielmehr sind innovative Ansätze je- der Art willkommen, die die Grundlagendebatte in den archäologischen Fächern insge- samt voranbringen.

Neben Fallstudien zu bestimmten Epochen und Regionen sollen – wie schon bisher – Beiträge zu den Bereichen Wissenschaftsgeschichte und Theorie / Methodologie der Archäologie einen weiteren Schwerpunkt bilden. Dies schließt auch Diskussionsbeiträge zum weiten Bereich ›Wissenschaft und Gesellschaft‹ (inklusive Denkmalpflege, Museo- logie und Medien) und zur Organisation des Archäologiestudiums mit ein.

Die EAZ ermutigt darüber hinaus insbesondere junge Autorinnen und Autoren zur Einreichung von Beiträgen. Die Publikationsrichtlinien können auf der Homepage der Professur für Ur- und Frühgeschichte der Universität Leipzig (http://www.uni-leipzig. de/~ufg/) nachgelesen und heruntergeladen werden (http://www.uni-leipzig.de/histsem/ index.php?id=1066&S=1). Außerdem finden Sie dort neben aktuellen Informationen zur EAZ (Kontaktadresse, Profil und Satzung, wissenschaftlicher Beirat, Inhaltsver- zeichnisse, Bezugsbedingungen) auch ein Gesamtregister, das noch unter Federführung der alten Herausgeber entstanden ist.

Die Beiträge dieses ersten Heftes (das aufgrund der besonderen Umstände das ein- zige für den Jahrgang 2010 bleiben wird) sind teilweise noch bei der alten Redaktion eingereicht worden. Da die Einwerbung von neuen Beiträgen aber im Hinblick auf das absehbare Ende der EAZ in Berlin auslief und eine unmittelbare Fortsetzung der Ar- beit in Leipzig nicht möglich war, ergab sich eine gewisse Lücke. Sie wird in diesem Heft durch die Aufnahme der Beiträge einer Leipziger Fachtagung gefüllt. Ab 2012 sind dann zwei Hefte pro Jahr geplant.

Um den Lesern der EAZ auch in Zukunft ein breites Spektrum an qualitätvollen Beiträgen vorlegen zu können, bitte ich um die Einreichung von geeigneten Manu- skripten bei der Redaktion. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung (eaz@uni- leipzig.de).

Leipzig, im September 2011 Ulrich Veit

Inhaltsverzeichnis

Editorial Schwerpunktthema

Der Archäologe als Erzähler

Sabine Rieckhoff, Ulrich Veit, Sabine Wolfram

Zur Geschichte und Theorie des Erzählens in der Archäologie: eine Problemskizze

Ulrich Veit

Die Bedeutung von Narrativität für die Historie: Ein Versuch anhand von zwei Beispielen aus der Antike
Charlotte Schubert

Is narrative necessary?

Mark Pluciennik

»La Jalousie« und Archäologie: Plädoyer für subjektloses Erzählen

Reinhard Bernbeck

Populäre Geschichtsschreibung im 19. Jahrhundert: Motive und Strategien archäologischer Erzähler

Stefanie Samida

Völkerwellen und Kulturbringer. Herkunfts- und Wanderungsnarrative in historisch-archäologischen Interpretationen des Vorderen Orients um 1900
Felix Wiedemann

Carl Schuchhardt (1858–1943): Ein Rückblick auf Alteuropa Manfred K. H. Eggert

Hofberichterstattung. Zur Wirkmächtigkeit des narrativen Ideals in der Hallstattforschung

Matthias Jung

Art and rock-art of the Kimberley, Northwest Australia: Narratives, interpretations and imaginations

Martin Porr

›Frühes Griechenland‹. Zum Problem des Orients in fundierenden Geschichten des Okzidents

Beat Schweizer

Happy-End oder Aufruhr? Zur Narratologie der ›keltischen Kunst‹

Sabine Rieckhoff

Der Bauchredner und seine Puppe. Archäologische Ausstellungen als ›Erzählung‹

Stefan Burmeister

Abhandlung

Körpergewicht und BMI bezeugen einen hohen Lebensstandard im europäischen Mittelalter

Frank Siegmund

Tagungsbericht

Crossing Borders in Southeast Asian Archaeology. 13th International Conference of the European Association of Southeast Asian Archaeologists (EurASEAA) in Berlin vom 27. September bis 1. Oktober 2010
Dominik Bonatz, Andreas Reinecke, Mai Lin Tjoa-Bonatz

Besprechungen

A. Davidovic, Praktiken archäologischer Wissensproduktion. Eine kulturanthropologische Wissenschaftsforschung. Altertumskunde des Vorderen Orients 13. Münster 2009 (M. Jung)
J. Martin, Die Bronzegefäße in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Prähistorische Bronzefunde II, 16. Stuttgart 2009 (S. Hansen)
M. Gedl, Die Lanzenspitzen in Polen. Prähistorische Bronzefunde V, 3. Stuttgart 2009 (S. Hansen) K. Finneiser/P. Linscheid/M. Pehlivanian, George Schweinfurth. Pionier der Textilarchäologie und Afrikaforscher. Berlin 2010 (U. van der Heyden)

81. Verbandstagung WSVA Friedrichshafen

Kulturerbe = Kulturpflicht?  Theoretische Reflexionen zum Umgang mit archäologischen Orten in Deutschland.

Sektion der AG Theorien in der Archäologie und des Forums Archäologie in Gesellschaft bei der 81. Verbandstagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung in Friedrichshafen

Programm

Dienstag, den 29.5.2012

10:30  Einführung (Kerstin P. Hofmann)
11:00  Marianne Pollak (Wien), Wo (k)ein Wille, da (k)ein Weg. Denkmalpflege zwischen kulturellem Gedächtnis und politischer Willensbildung
11:30  Susanne Grunwald (Leipzig), Ein Fundplatz als nationale Gedenkstätte – Der Turm von Zantoch (1934–1945)
12:00  Diskussion
12:30  Mittag
14:00  Matthias Maluck (Schleswig), Danewerk und Haithabu: Inszenierung von Legitimation – Wandel von Denkmalen
14:30  Ulrich Müller (Kiel) & Ulf Ickerodt (Schleswig), Meine Geschichte, deine Geschichte oder unsere Geschichte – oder: Wer ein Monster erschafft, ist auch für die Konsequenzen verantwortlich!
15:00 Diskussion
15:30  Kaffeepause
16:00  Sebastian Sommer (München), Von Kaiser Wilhelm bis zum Welterbe – Deutung und Präsentation des Obergermanisch-Raetischen Limes
16:30  Uta K. Mense (Cottbus), Unbequemes Erbe „Drittes Reich“ am Beispiel des Flächendenkmals der ehemaligen Heeresversuchsanstalt Peenemünde, Usedom
17:00  Diskussion

Mittwoch, den 30.5.2012

9:30  Stefanie Samida (Berlin), Heritagefication: Kulturerbe zwischen ‚Sakralisierung‘ und ‚Eventisierung‘
10:00  Kaffeepause
10:30  Kerstin P. Hofmann (Berlin), Der Grabhügel und Bildstein von Anderlingen: Ein Referenzpunkt für die Konstitution von regionalen Identitäten
11:00  Thomas Meier (Heidelberg), „Erbe“ und „kommende Generationen“. Die Transzendenzmetaphern des Denkmalpflegediskurses
11:30  Abschlussdiskussion

81. Verbandstagung WSVA Friedrichshafen weiterlesen

CfP „Kulturerbe = Kulturpflicht?“

Kulturerbe = Kulturpflicht

Theoretische Reflexionen zum Umgang mit archäologischen Orten in Deutschland

 

Sektion der AG Theorien in der Archäologie und des AKs „Archäologie kann Gesellschaft“ i. Gr. bei der 81. Verbandstagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschungvom 29. Mai bis 2. Juni 2012 in Friedrichshafen CfP „Kulturerbe = Kulturpflicht?“ weiterlesen

7. Deutschen Archäologiekongress

Zeitkonzepte – Zeiterfahrung – Zeitgeist

Sektion der AG Theorien in der Archäologie auf dem 7. Archäologiekongress 2011 in Bremen

Programm mit Abstracts 

Montag, 3. 10. 2011
14:00-14:15

Sabine Reinhold

Zeitkonzepte – Zeiterfahrung – Zeitgeist“ – Zur Einführung

14:15-14:45

Antje Theel

Zwischen Nähe und Distanz – Zeit in der Archäologie“

14:45-15:15

Ulf Ickerodt

Gleichzeitiges und ungleichzeitiges, Lebensrhythmen und Eigenzeiten in Vergangenheit und GegenwartBemerkungen zur Unbestimmtheitsrelation von archäologischen Zeitbeobachtungen

Pause
15:30-16:00

Manfred K.H. Eggert

Zeitsprünge oder Die Zeit der Archäologie

16:00-16:30

Wolfram Schier

Zeitbegriffe und chronologische Konzepte in der Prähistorischen Archäologie“

16:30-17:00

Stefanie Samida

Moderne Zeitreisen oder Die performative Aneignung vergangener Lebenswelten“

17:00-17:30

KerstinPannhorst

Jenseits der Chronologie – Zeit im Museum“

ab 19:30 Uhr

T-AG Jubiläumsparty

vermutl. Kantine 5, An der Weide 50, 28195 Bremen, http://www.kantine5.de

Montag, 3. 10. 2011
9:00-9:30

Frank Siegmund

Schnelle Zeiten – langsame Zeiten: archäologische Chronologiesysteme als Geschichtsquelle“

9:30-10:00

Katja Roesler

Typologie und Zeitlichkeit. Zum Begriff des Typs“

10:00-10:30

Thomas Knopf

Die Form der Zeit? ,Kontinuität’ und der Wandel materieller Kultur“

Pause
11:00-11:30

Ulrike Sommer

Zeit und Erinnerung“

11:30-12:00

Martin Furholt

Von der Wiederholung zur Permanenz – Von der Zeitlichkeit Neolithischer Monumente in Südskandinavien“

12:00-12:30

Martin Hinz

Vergangenheit bewahren, Zukunft erbauen? Monumente, Megalithen und Zeitkonzepte“

Mittagspause
13:30-14:00 Mitgliederversammlung der T-AG
14:00-14:30

Mike Teufer

Das Jenseits im Wandel der Zeit“

14:30-15:00

Eva Rosenstock

Siedlungsstratigrafien als materialisierte zyklische und lineare Zeit“

15:00-15:30

Undine Stabrey

Ungleichzeitige GegenwartenArgumentationen in die Archäologie

15:00/15:30-16:00/16:30  Abschlussdiskussion

Sabine Reinhold (Eurasien-Abteilung DAI, Berlin)

ZeitkonzepteZeiterfahrungZeitgeist“ – Zur Einführung

WritingthePastinthePresent“ hieß vor rund 20 Jahren einer der grundlegenden Essay-Bände der postprocessualarchaeology, in dem die Frage diskutiert wurde, ob heutige Archäologen überhaupt in der Lage sind, sinnvolles über vergangene Realitäten auszusagen. Im Zentrum stand damals das semiotische Grundproblem der Sinnvermittlung, doch lässt sich der Titel auch anders deuten. Ist es überhaupt von Bedeutung, heute über die Vergangenheit zu schreiben? Den Sinn der Zeit zu erfassen, die Notwendigkeit der Zeitdeutung sowie das breite Spektrum von Sinnkategorien zu typologisieren, ist Anliegen des Historikers Jörn Rüsen. Seine Intention ist es, durch die Zusammenfassung der Mechanismen und Medien der Zeitdeutung dieses sehr breit erscheinen Thema auf einige Grundlinien zu konzentrieren. Basierend auf seinen Kategorien von Zeitsinn und Zeitbewältigung soll diskutiert werden, in wie fern sie als Basis von Diskursen in der Archäologie zu nutzen wären. So gäbe beispielsweise sein ‚Mythologischer Zeitsinn‘ etlichen archäologischen Diskussionen zur Sozialgeschichte und der Bedeutung von Eliten eine neue Denkrichtung. ‚Historischer Zeitsinn‘ lässt sich hinter der Errichtung von ‚zeit-resistenten‘ Monumenten vermuten, schließt man sich den Überlegungen von Maurice Halbwachs und Jan Assman zur Konstruktion von kollektiven Erinnerungen als ein Aspekt eines historischen Bewusstseins an. Das Konzept des ‚Strategischen Zeitsinns‘ schließlich könnte die Diskussion um Zeitmessungen in der Vorgeschichte beflügeln, denn hierbei geht es um die Beherrschbarkeit und Vorhersagbarkeit von zyklischen Ereignissen. Die ‚Typologie der Zeit‘ versteht sich als Einleitung in die folgende Diskussion, die ganz unterschiedliche Aspekte eben solcher Zeitkonzepte beleuchten.

Antje Theel (Professur für Ur- und Frühgeschichte, Leipzig)

Zwischen Nähe und DistanzZeit in der Archäologie

Die Archäologie arbeitet Gavin Lucas zufolge mit einem Zeitkonzept, welches in einem temporalen Dualismus wurzelt. Vergangenheit und Gegenwart werden hier in ein Verhältnis zueinander gesetzt, welches gleichermaßen von Kontinuität und Diskontinuität, Distanz und Nähe gekennzeichnet ist. So operiert die Archäologie einerseits mit der Vorstellung von einer Vergangenheit, die aufgrund ihres unwiederbringlichen Vergangenseins in einer unüberwindbaren Distanz zur Gegenwart steht. Zugleich aber wird diese absolute Trennung mittels Chronologie, die hier als einigendes Band wirkt, wieder überwunden. Im Vortrag soll dieses Phänomen der temporalen Ambivalenz des archäologischen Zeitkonzepts näher untersucht werden.

Ulf Ickerodt (Archäologisches Landesamt SchleswigHolstein, Schleswig)

Gleichzeitiges und ungleichzeitiges, Lebensrhythmen und Eigenzeiten in Vergangenheit und GegenwartBemerkungen zur Unbestimmtheitsrelation von archäologischen Zeitbeobachtungen

Die chronologische Bewertung des archäologischen Untersuchungsmaterials sowie dessen inhaltliche Deutung gehen zumeist eine enge Symbiose ein. Die metatheoretische Basis hierfür ist das europäische Entwicklungsdenken, dessen wissenschaftliche und gesellschaftliche Akzeptanz archäologische Forschung erst ermöglicht haben. Auf einer inhaltlichen Ebene waren hierfür ethnografische Feldbeobachtungen die Basis, die als gemachte Einmalbeobachtungen in Form von allgemeingültigen Sätzen für die menschliche Vor- und Frühgeschichte verallgemeinert wurden und so insbesondere für die frühen Perioden der Menschheitsgeschichte ein Bild langfristiger kultureller Unveränderlichkeit suggerierten. Dieser statischen und als rückständig empfundenen Vergangenheit wurde die als Beschleunigung wahrgenommene Moderne antithetisch gegenübergestellt. Diese Gleichsetzung resultiert aus der Verschmelzung „unserer“ kulturellen Eigenzeit (= emische Perspektive), d. h. unserer gesellschaftlichen Art, in einer Wissensgesellschaft mit Raum-Zeit-Zusammenhängen umzugehen, mit naturwissenschaftlichen Datierungen und Chronologiesystemen (= etische Perspektive) und führt zu einer inhaltlichen Unbestimmtheit des archäologischen Deutens, das den Problemfeldern der Reaktivität oder der metaphysischen Deduktion entspringt.

Vergleichbares gilt natürlich auch für den Umgang mit anderen kulturellen Eigenzeiten, d. h. für Bereiche, in denen kulturelle Eigenzeiten bzw. emische Perspektiven miteinander interagieren. Hinzu kommen noch die aus dem archäologischen Quellenmaterial selbst stammenden Unbestimmtheiten wie chronologische Unschärfe, kulturelle Variabilität, Kontaktphänomene, Kulturwandel, Lückenphänomene sowie wissenschaftliche Gebundenheit oder Unvollendetheit.

Im Rahmen dieses Beitrags werden die Auswirkungen dieser unterschiedlichen Einflussfaktoren auf archäologische Praxis des Umgangs mit Zeit und Zeitbeobachtungen hinterfragt.

 

Manfred K.H. Eggert (Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Universität Tübingen)

Zeitsprünge oder DieZeit der Archäologie

‚Zeit’ wird in diesem Vortrag als ein höchst mehrdeutiges Konzept verstanden. Im Vergleich zur philosophischen und ethnologisch-soziologischen Diskussion dieses Konzeptes scheint seine Position in der Archäologie relativ klar. Bei näherem Hinsehen stellt sich jedoch heraus, dass dies bestenfalls für das technizistische, ‚chronometrische’ Verständnis von Zeit zutrifft. Aber selbst hier mangelt es weitgehend an kritischen Analysen. Andererseits gibt es im angelsächsischen archäologischen Schrifttum durchaus Versuche, über das traditionelle Verständnis hinauszugelangen (z. B. World Archaeology 25/2, 1993).

Der Vortrag verfolgt ein vergleichsweise bescheidenes Ziel. Zunächst werden einige wesentliche Aspekte des Konzeptes ‚Zeit’ erörtert. Auf dieser Grundlage gilt es, den Zeitbegriff der Archäologie zu charakterisieren. Dabei wird es jedoch weniger um die relative und absolute Chronometrie, also um ihre Methodik, ihre Kategorien und ihr Potential gehen. Vielmehr sind metatheoretische Überlegungen zum archäologischen Zeitbegriff angestrebt.

Diese Überlegungen basieren auf der gängigen Unterscheidung von Forschungsobjekt und Forschungssubjekt. Konkret wird zwischen Ur- und Frühgeschichte auf der einen und Archäologie auf der anderen Seite differenziert. In diesem Rahmen soll dann der mit dem Begriff ‚Zeitpfeil’ bildhaft zum Ausdruck gebrachte Prozess der Zeitdimension der ur- und frühgeschichtlichen Vergangenheit betrachtet werden: Was ist ‚vergangene Zeit’? Wie und bis zu welchem Grade spiegelt sich ‚vergangene Zeit’ archäologisch? Was sind die Besonderheiten dieser Spiegelung? Und schließlich: Wie verhält sich die archäologisch erfassbare Spiegelung zur historischen Realität?

Wolfram Schier (Institut für Prähistorische Archäologie, FU Berlin)

Zeitbegriffe und chronologische Konzepte in der Prähistorischen Archäologie“

Der Vortrag behandelt verschiedene Zeitbegriffe und Konzepte der Zeitwahrnehmung, –abbildung und –messung in der Prähistorischen Archäologie. Der Wandel der Zeitkonzepte wird zum einen in einen forschungsgeschichtlichen Kontext gestellt, zum anderen aber auf seine Wechselwirkungen mit jeweils vorherrschenden chronologischen Methoden und Deutungsparadigmen untersucht. So lassen sich beispielsweise fraktale Zeitkonzepte mit kulturevolutionistischen Modellen korrelieren, während etwa der gegenwärtige Trend zu metrischen Chronologiekonzepten mit Modellen des exogenen Kulturwandels (etwa durch Klimaschwankungen) einhergeht. In methodologischer Hinsicht werden die Zeitkonzepte skalentheoretisch analysiert. Dabei lassen sich beispielsweise ordinale, metrische, lineare, nichtlineare oder probabibilistische Zeitskalen unterscheiden, wobei der Skalentyp die Art und Qualität chronologischer Aussagen bestimmt: quantitative Epochenvergleiche lassen sich etwa nur anhand metrischer Zeitskalen durchführen, Aussagen über zeitliche Dynamik sind nur anhand linearer Zeitskalen möglich. Häufig lässt sich eine Diskrepanz zwischen den theoretischen Eigenschaften von Zeitskalen und der chronologischen Praxis von Archäo­logInnen beobachten, die implizit und zuweilen unreflektiert chronologiefremde Prämissen und Hypothesen in den Prozess der Zeitbestimmung einbeziehen.

Stefanie Samida (Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Universität Tübingen)

Moderne Zeitreisen oder Die performative Aneignung vergangener Lebenswelten“

Die erlebnisorientierte Vermittlung historischer Themen hat seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts stetig zugenommen. Darunter fallen auch jene Geschichtsdarstellungen, die unter dem Label ‚Living History‘ firmieren. Unter diesen englischen Begriff ist eine aus den USA stammende, ambivalente Darstellung von Geschichte zu fassen, die im Deutschen in der Regel mit ‚lebendige/wiederbelebte/belebte Geschichte‘ oder ‚Geschichte erleben‘ umschrieben wird und bei der es um den Nachvollzug vergangener Lebensverhältnisse geht. Zumeist synonym oder zumindest in einem Atemzug wird auch der Begriff ‚Re-Enactment‘ verwendet. Die Aufführung solcher Re-Enactments findet vornehmlich in Freilichtmuseen statt und ist beim Publikum aufgrund des ‚Mitmach‘-Charakters, also eines authentische Erfahrungen versprechenden Ansatzes beliebt: optisches, akustisches und haptisches Erleben stehen im Vordergrund. In den letzten Jahren haben diese Darstellungen vermehrt auch in archäologische Fernsehdokumentationen und so genannte ‚Doku-Soaps‘ (z. B. Steinzeit – Das Experiment) Einzug gehalten. Ausgesuchte oder besser ‚gecastete‘ Zeitgenossen werden in einen rekonstruierten historischen Raum versetzt und müssen sich in der inszenierten ‚Fremde‘ einer ihnen unbekannten, vermeintlich historischen Lebenswelt stellen. Laien ‚reisen‘ so für kurze Zeit ins 19. Jahrhundert oder in die Steinzeit und werden zu Re-Enactors vor den Filmkameras. Beide hier beschriebenen Formen lassen sich als moderne Zeitreisen umschreiben, in denen die Re-Enactors den Versuch unternehmen, ‚Vergangenheit‘ in die Gegenwart zu holen und sie körperlich und sinnlich erfahrbar zu machen. Dass es sich hierbei allerdings nur um eine konstruierte Vergangenheit in der Gegenwart handelt, muss nicht weiter betont werden. Kaum hinterfragt ist dagegen der umgekehrte Fall: die Rolle der Gegenwart in der nachgespielten und nachempfundenen Vergangenheit. Diese ‚Vergangenheit‘ ist kaum mehr als ein „kulturelles Konstrukt der Jetztzeit, das primär heutige Bedürfnisse und Notwendigkeiten dokumentiert“; ein Konstrukt also, in dem sich unsere zeitgenössische Lebenswelt widerspiegelt.

Im Zentrum des geplanten Beitrages stehen die ‚Zeitreisenden‘ und ihr Eintauchen in fremde Welten. Dabei soll die Frage verfolgt werden, mit welchen Mitteln (außer ihrer ‚Verkleidung‘) die Akteure meinen, den Zeitsprung herstellen zu können und was sie motiviert, sich aus unserer Zeit in eine andere zu begeben. Die Analyse stützt sich dabei auf aktuelle empirische Untersuchungen, bei der ‚Zeitreisende‘/Re-Enactors interviewt wurden. Die Beschäftigung mit diesem Themenfeld mag auf den ersten Blick für die Archäologie marginal erscheinen. Sie ist es jedoch nicht, da die Erweiterung des theoretisch-methodischen Rüstzeugs der Archäologie bei der Frage nach der Wechselbeziehung von Archäologie und Gesellschaft eine zunehmend wichtige Aufgabe spielt, gerade wenn es um Fragen der Deutung und Vermittlung vergangener Lebenswelten geht.

M. Fenske, Abenteuer Geschichte. Zeitreisen in der Spätmoderne. Reisefieber Richtung Vergangenheit. In: W. Hardtwig/A. Schug [Hrsg.], History Sells! Angewandte Geschichte als Wissenschaft und Markt, Stuttgart 2009, 79–90; 84.

Kerstin Pannhorst (Stiftung Neanderthal Museum)

Jenseits der Chronologie – Zeit im Museum“

Eine der zentralen Aufgaben von Museen ist das Bewahren, der Versuch, Objekte und Wissen über die Zeit hinweg zu erhalten, um Einblicke in vergangene Lebenswelten zu ermöglichen.

Zeit erscheint im Museum zunächst als Chronologie, welche Objekte in Raum und Zeit verankert und dem Besucher eine zusammenhängende Erzählung bietet. Eine besondere Herausforderung ist es dabei, neben den reinen Zahlen beim Besucher ein Verständnis für die Dimensionen historischer, archäologischer oder paläontologischer Zeiträume zu generieren. Jenseits der Chronologie kann Zeit selbst zum Ausstellungsgegenstand werden. Ein abstraktes Thema, das auch die Wissenschaft nicht dingfest zu machen vermag, muss dabei dem Museumsbesucher verständlich gemacht werden. Lernen im Museum ist ein konstruktives Vorgehen, das als Anpassungsprozess zwischen Individuum und Umwelt verstanden werden kann. Der individuelle Lernerfolg ist dabei abhängig von Interesse, Motivation, Vorwissen, Erwartungen und Informationskompetenz des Besuchers. Im Vortrag soll dargestellt werden, wie im Museum ein Lernumfeld geschaffen werden kann, das diese Heterogenität der Besucher berücksichtigt. Anhand von Beispielen aus verschieden Ausstellungen sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die Zeit dem Spannungsfeld zwischen unergründlichem Rätsel und selbstevidenter Gegebenheit zu entreißen.

Frank Siegmund (Departement Altertumswissenschaften, Universität Basel)

Schnelle Zeiten – langsame Zeiten: archäologische Chronologiesysteme als Geschichtsquelle“

Seit mehr als einhundert Jahren werden archäologische Chronologiesysteme erstellt, verfeinert und erneuert. Die absolute Zeitdauer der einzelnen Abschnitte moderner Chronologiesysteme ist unterschiedlich. Auch mit einem „großen Material und einer guten Methode” (Montelius 1903) können materialbasierte Chronologiesysteme nur dann zu kurzen Phasen kommen, wenn in den beobachteten Kulturen ein entsprechender Wandel im Sachgut geschah. Chronologiesysteme sind daher heute weniger ein Zeugnis unterschiedlicher Quellenlage oder Intensität und Qualität archäologischer Forschung, vielmehr spiegeln sie eine historische Realität wider. Eine diachrone Sammlung von Chronologien erlaubt es, Zeiten schnellen Wandels und Zeiten höherer Stabilität zu kontrastieren. Innerhalb der Epochen zeigen die von Archäologen gewählten „Leittypen” an, in welchen Lebensbereichen die damaligen Menschen bevorzugt Veränderungen ausdrücken wollten.

KatjaRoesler (Institut für Archäologische Wissenschaften, Frühgeschichtliche Archäologie und Archäologie des Mittelalters, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Typologie und Zeitlichkeit. Zum Begriff des Typs“

Mit der Typologie hat die Archäologie eine Möglichkeit zur Feststellung von relativer Zeitlichkeit. Dieser Methode liegt der Begriff des Typus zugrunde, der auf zweierlei Art gelesen werden kann: als normativer Begriff, der die regelmäßige Widerholung benennt oder im Sinne von Bedeutsamkeit. Der Vortrag möchte den archäologischen Typ-Begriff mit den Typusbegriffen aus der Geschichtswissenschaft (Dilthey, Burckhardt, Schieder), den kategorialen Typen der Naturforschung (Linné) und der Verbindung von Typus und Genese bei Goethe spiegeln, um die verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten sichtbar zu machen. Ziel ist, die unterschiedlichen Bedingungen für Zeitlichkeit, die in diesen Bedeutungen liegen, herauszuarbeiten.

Thomas Knopf (Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Universität Tübingen)

Die Form der Zeit? ,Kontinuität’ und der Wandel materieller Kultur“

In gängigen Geschichtskonzeptionen spielen Kontinuitätsvorstellungen eine nicht unbedeutende Rolle. Für die Archäologie heißt das, materielle, in der archäologisch überlieferten Kultur erkannte Ähnlichkeiten werden in immaterielle Bedingungen und Ursachen übersetzt. Kontinuität wird dabei für das archäologische Material nicht als eine Konstanz oder Unveränderlichkeit, sondern als eine Art steter Wandel angesehen. Darauf aufbauend wird aber nicht selten eine weitgehend unveränderte kulturelle Konstanz, z. T. auch ethnischer Art, der Träger dieser materiellen Kultur postuliert. Wenn also aus der formalen Abfolge von Keramik, Metall usw. eine zeitliche konstruiert wird (was anhand geschlossener Funde, absoluter Daten usw. methodisch korrekt durchgeführt werden kann) so fehlen häufig die für eine kulturhistorische Interpretation notwendigen Konzepte zu Ursachen des Wandels materieller Kultur oder sie werden schlicht der eigenen Erfahrungswelt entnommen. Diese ist zwangsläufig von zeitlichem Zusammenhang und Stetigkeit geprägt; ebenso wird Geschichte prinzipiell als etwas sinnhaft Abfolgendes betrachtet. Der Beitrag möchte die Problematik der Begriffe, der Terminologie und Konzepte vorstellen, Beispiele anführen und Möglichkeiten der Überwindung aufzeigen.

Ulrike Sommer (Institute of Archaeology, UCL London)

Zeit und Erinnerung“

„Geschichtsbewußtsein“ und eine Zeitrechung, die linear ist und auf einer Intervallskala beruht, gelten als Merkmale moderner Gesellschaften. Nicht-industriellen Gesellschaften und, in Analogie, prähistorischen Gesellschaften werden dagegen als „kalt“, veränderungsunwillig oder -resistent beschrieben und diesen werden „zeitlose“ oder zyklische Zeitkonzepte zugeschrieben, ohne daß es dafür Belege gäbe. Evolutionäres Denken und die Ideen von Autoren wie Elliot Smith und Frazer dürften hier einen unreflektierten Hintergrund bilden.

Wie neuere 14C-Daten zeigen, gibt es jedoch durchaus Abschnitte der Vorgeschichte, in denen sehr rasche Veränderungen stattfanden, die auch den Zeitgenossen deutlich sichtbar waren, bzw. die von diesen gezielt betrieben wurden. Dem stehen andere Perioden gegenüber, in denen so wenig (archäologisch sichtbare) Veränderung stattfindet, daß man mit Mechanismen rechnen muß, die diese sanktionieren und weitgehend unterbinden.

Wie wurden also Veränderungen definiert und wahrgenommen, wie wurde dementsprechend persönliche Erinnerung in „Vergangenheit“ oder gar Geschichte verwandelt? Als weitgehend einzige Quelle stehen uns hier Befunde meist monumentaler Art zur Verfügung, die über einen längeren Zeitraum oder mehrfach verwendet wurden. In meinem Vortrag werde ich an Hand von Beispielen aus dem Neolithikum darüber reflektieren, wie solche Wiederverwendung das Verstreichen von Zeit entweder negieren oder betonen kann, indem Unterschiede erzeugt oder verleugnet werden.

Martin Furholt (Institut für Urund Frühgeschichte der CAU, Kiel)

Von der Wiederholung zur PermanenzVon der Zeitlichkeit Neolithischer Monumente in Südskandinavien

Der Begriff der Monumentalität legt gemeinhin eine Langlebigkeit nahe. Ein Monument sei, so die meist implizite Auffassung, eine Struktur, die intentionell auf Dauerhaftigkeit ausgelegt sei, mit dem Ziel sozial relevante Botschaften für kommende Generationen zu konservieren bzw. an sie zu übermitteln. Obgleich dies für viele Monumenttypen ganz sicher auch zutrifft, so ergeben sich bei genauerer Betrachtung der Baustruktur und des Kontextes der neolithischen Monumente Südskandinaviens und Norddeutschlands Zweifel an solch einer Interpretation, die zumindest für einige Anlagen eine Diskussion ihrer zeitlichen Dimension notwendig erscheinen lässt. Eine Betrachtung der architektonischen Besonderheiten sowie der räumlichen und zeitlichen Verbreitung und Entwicklung von Hügeln und Megalithen legt nahe, dass zunächst im Rahmen der ersten Monumente der Akt der Bautätigkeit als kontinuierlicher, identitätsstiftender Prozess im Vordergrund gestanden haben wird, während die Schaffung permanenter Strukturen erst als spätere Entwicklung anzusehen ist, deren Intentionalität ebenfalls zu diskutieren ist. Sie könnte aber durchaus mit veränderten Zeitkonzepten in Verbindung gebracht werden.

Martin Hinz (Institut für UrundFrühgeschichte der CAU, Kiel)

Vergangenheit bewahren, Zukunft erbauen? Monumente, Megalithen und Zeitkonzepte

Der Lauf der Zeit – er erscheint uns als absolutes, natürliches Phänomen. In der Vorstellung unserer naturwissenschaftlich geprägten westlichen Welt wird er als Prozess mit einer klaren Richtung angesehen, der entlang des thermodynamischen Zeitpfeils von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft verläuft. In der Sammlung der intersubjektiv geteilten Anschauungen parexcellence, der Wikipedia, heißt es dazu: “Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hinführend”. Wir sind gewohnt,tr valign=“TOP“/td im Sinne dieser Definition zu denken und auch die Geschehnisse der der Vergangenheit zu interpretieren, wie wir sie beobachten oder uns vorstellen.

Dies ist auch der Fall für monumentale Hinterlassenschaften und ihre Bedeutung für vergangene Gesellschaften. Eine nahe liegende Interpretation ist es, dass der Bau solcher Monumente als Ereignis in der zeitgenössischen Gegenwart stattfindet und dazu dient, Botschaften über die Gegenwart oder Vergangenheit in eine Zukunft zu übermitteln, in der dieses Ereignis dann die Vergangenheit darstellt. Eine andere mögliche Bedeutung ist die für die zeitgenössischen Anderen, für die die Botschaft mögliche Handlungen in der Zukunft beeinflussen soll. Monumentale Hinterlassenschaft werden in diesem Sinne zum Beispiel als ‚external symbolic storage devices‘ oder als Territorialmarkierungen gegenüber anderen sozialen Gruppen gedeutet. Dieser Vortrag soll sich mit der Frage beschäftigen, ob wir annehmen können, das unsere Zeitwahrnehmung unhinterfragt auf vergangene Gesellschaften übertragen werden kann. Über alternative Zeitkonzepte in der Ur- und Frühgeschichte ist zwar schon verschiedentlich spekuliert worden, deren weiterführende Bedeutung als bestimmende Hintergrundfolie für die Interpretation von Phänomenen ist jedoch bisher kaum beleuchtet. Dies soll hier am Beispiel der megalithischen Bestattungsweise versucht werden, ohne dass ein Anspruch erhoben werden kann, die Zeitsicht der neolithischen Gesellschaften eindeutig bestimmen zu können. Vielmehr sollen verschiedene alternative Deutungen vor dem Hintergrund unterschiedlicher bekannter Zeitkonzepte nebeneinander gestellt werden.

Mike Teufer (Eurasien-Abteilung DAI, Berlin)

Das Jenseits im Wandel der Zeit“

Ein Zeitbewusstsein wird, wie die Forschungen Jean Piagets gezeigt haben, in der frühen Ontogenese von jedem einzelnen Menschen entwickelt. Dieser Prozess vollzieht sich in verschiedenen Stadien und „setzt sich in seiner Entwicklung so lange fort, bis eine lebensdienliche Form gefunden ist“ (Dux 1986). Da diese „Lebensdienlichkeit“ nach Dux von der Handlungskompetenz des Individuums abhängig ist, und diese wiederum durch das Entwicklungsniveau der Gesellschaft bestimmt wird, ist auch die Entwicklung des Zeitverständnisses kulturhistorisch determiniert.

Dass das Zeitbewusstsein maßgeblich die Einstellung zum Tod bestimmt, liegt auf der Hand. Auf der Basis früher, eng mit den Naturkreisläufen verbundener Zeitvorstellungen, in denen die Zukunft letztlich nur als eine Wiederholung der Vergangenheit verstanden wurde, bedeutete Tod Rückkehr zum Ursprung. Der Tod war damit „handhabbar“. Erst mit der Zunahme von Autonomie gegenüber der Natur markiert der Tod eine als schmerzlich empfundene Grenze dieser kulturellen Unabhängigkeit, dem mit Versuchen der Todesüberwindung begegnet wird (Dux 1986). Streiflichtartig werden einige dieser frühen Versuche dargelegt, um dann den Fokus auf den mittelasiatischen Raum zu legen, wo es möglicherweise zu Beginn der Eisenzeit, auf der Grundlage einer Weiterentwicklung des Raum- und Zeitverständnisses, zur Ausbildung eines Unsterblichkeitsglaubens kommt.

Dux 1986 – G. Dux, Die Zeit in der Geschichte. Ihre Entwicklungslogik vom Mythos zur Weltzeit (Frankfurt am Main 1986).

Eva Rosenstock  (Institut für Prähistorische Archäologie, FU Berlin)

Siedlungsstratigrafien als materialisierte zyklische und lineare Zeit“

Siedlungsstratigraphien dienen seit dem Beginn feldarchäologischer Forschung als Zeitmaßstäbe (Schliemann 1874; Schier 2001), wobei tief stratifizierte Fundplätze wie Tellsiedlungen stets im Vordergrund des Interesses standen und Flachsiedlungen lange zu Unrecht pauschal als kurzlebiger angesehen wurden. Auch die Betonung fund- oder stratigraphiebasierter Chronologiesysteme dürfte eine Folge der Ausprägung von Siedlungen und damit der Unsichtbarkeit von Zeit in der jeweiligen Großregion sein.

Doch nicht nur die Auseinandersetzung mit den Zeitkonzepten der Archäologen, sondern auch mit den vermuteten Zeitkonzepten des prähistorischen Menschen findet vor allem anhand von Tellsiedlungen statt. Hier werden die akkumulierten Schichten meist als lineare Manifestation zyklisch ablaufender Siedlungs- und Wirtschaftsvorgänge gesehen (Bailey 1993).

Das Paper versucht, ausgehend von einem Überblick über beide Zeitperspektiven, in einem ethnoarchäologisch-wirtschaftsarchäologischen Ansatz weitere derartige Rhythmen des Zusammenschwingens von Wald- und Landwirtschaft und Siedlungstätigkeit herauszuarbeiten und dabei bewusst die Beschränkung auf tief stratifizierte Fundplätze zu vermeiden.

D.W. Bailey, ChronotypictensioninBulgarianprehistory: 6500–3500 BC. World Archaeology 25/2, 1993, 204–222.

W. Schier, Tellstratigraphien als Zeitmaßstab. In: R. M. Boehmer/J. Maran (Hrsg.), Lux Orientis. Archäologie zwischen Asien und Europa. Festschrift für Harald Hauptmann (Rahden/Westfalen 2001).

H. Schliemann, Trojanische Alterthümer. Bericht über die Ausgrabungen in Troja in den Jahren 1871 bis 1873 (Leipzig 1874).

Undine Stabrey (VisitingScholaramMetaMediaLabArchaeologyCenter, Stanford, USA)

Ungleichzeitige Gegenwarten – Argumentationen in die Archäologie“

Wissenschaftlich Neues und gesellschaftlicher Wandel wechselwirken als Zusammenspiel innerer und äußerer Dynamiken: Die Gegenwart um 1800 verändert Temporalstrukturen ebenso spezifisch wie sie als neue Zeitstruktur Wissensbereiche erst hervorbringt. In diesen temporalen Konstellationen entsteht auch die Archäologie mit ihrem fortan zeitorientierten Gegenstand, der systemisch die Logik der Archäologie formt: dem Materiellen vergangener Kulturen. Gerade die allgemeine temporale Spezifik eines neuen, stets wachsenden „materielles Mehr“ markiert eine der massivsten (auch im wahrsten Wortsinne) Veränderungen, die in der Archäologie die Herausbildung der ersten Methode bewirken und auf diese Weise Archäologie verfachlichen – und: Vorstellungen wie etwa „die Bronzezeit“, und damit Imaginationen ältester Geschichte, erzeugen.

Der neue Umgang mit den rasant mehr werdenden Objekten des Altertums bedingt die Zeitlichkeit des neuen dingorientierten Arguments nach 1800 und die Anfänge archäologischer Zeit in dieser weltbildwandelnden Gegenwart; auch hier gilt: beide wechselwirken. Ihre Gründe und Formen entfaltet der Vortrag entlang des Konzeptes Steinzeit-Bronzezeit-Eisenzeit; Resultat der archäologischen Verzeitlichung der neuen temporalen Möglichkeiten im Zeitgeist der spezifischen Verzeitlichung der Jahrzehnte um 1800, dinglicher Ausdruck neuen Denkens, Fundierung archäologischer Logik.

 

CfP „Zeitkonzepte – Zeiterfahrung – Zeitgeist“

As time goes by: Zeitkonzepte – Zeiterfahrung – Zeitgeist.

Sektion der Theorie-AG am 7. Deutschen Archäologenkongress 2011 in Bremen (3.-4.Oktober 2011)

„Zeiterfahrung gehört zu den Grundgegebenheiten des Menschseins. Der Mensch erfährt Zeit im Wandel und in den Tiefen seiner Selbst, als Fluch der Natur und als Leistung seines Geistes. Er kann die Zeit nicht so lassen, wie sie ihm geschieht… Indem er sich kulturell deutend mit ihr auseinandersetzt, erhebt er sich über die Zeit, versucht sie zu bannen und zu beherrschen, aber immer bleibt er ihrem Wandel unterworfen.“

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Rezension Manfred K. H. Eggert/Stefanie Samida, Ur- und frühgeschichtliche Archäologie

UTB basics (Tübingen/Basel 2009).
Sabine Wolfram

Bologna sei Dank! Oder sollte man besser fragen: Brauchten wir Bologna, damit es endlich mehr Einführungen in die Ur- und frühgeschichtliche bzw. Prähistorische Archäologie gibt? Nach Martin Trachsels Ur- und Frühgeschichte: Quellen, Methoden, Ziele (Zürich 2008), das leider unter einem Mangel an Literaturhinweisen leidet, und Basiswissen Archäologie. Theorien, Methoden, Praxis von Colin Renfrew und Paul Bahn (Darmstadt 2009), das aus der Sicht angloamerikanischer Forschungstradition geschrieben ist, haben nun Manfred K.H. Eggert und Stefanie Samida „Ur- und frühgeschichtliche Archäologie“ vorgelegt. Ihre Einführung fußt im Wesentlichen auf zwei älteren Werken Eggerts: Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden (2001/2008³) und Archäologie. Grundzüge einer Historischen Kulturwissenschaft (2006) und stellt trotzdem etwas Neues dar. Übernommen wurden – wie sollte es auch anders sein – die Erläuterung wichtiger Methoden und Konzepte wie Klassifikation, Datierungsmethoden und Kulturbegriff, allerdings stark gekürzt und weitgehend entschlackt um ihre forschungsgeschichtliche Herleitung sowie die Verortung der Ur- und Frühgeschichte als Geistes- bzw. Kulturwissenschaft. Grundlegend neu gegenüber den älteren Publikationen ist der Ansatz die inhaltliche Vielfalt des Faches anhand ausgewählter Fallstudien aufzuzeigen.

 

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Heidegger, Gadamer and the work of archaeology

Philip Tonner

Archaeology has, over the course of the 20th Century and into the 21st, become aware of the contribution that theory can – and does, whether explicit or not – make to its enterprise of understanding the human past. What I’d like to do in this short article is to introduce two thinkers from the phenomenological and hermeneutic tradition in European philosophy who’s writings are incredibly suggestive for archaeological theory and, ultimately, for archaeological practice. The thinkers in questions – Martin Heidegger (1889–1976) and Hans-Georg Gadamer (1900–2002) – each have something to say about how we might understand human engagement with the world, past and present, and how we might
approach the archaeological record. With Edmund Husserl, Martin Heidegger was one of the central thinkers to have contributed greatly to the development of phenomenological philosophy in the 20th Century. His early masterpiece Sein und Zeit (Being and Time [1927]) had a formative influence on the ‘existentialists’ and his other works, particularly on art and language, have been crucial to the development of hermeneutics and deconstruction in the hands of Gadamer and Jacques Derrida.

 

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Aktuelle Literatur 1/2010

 

(zusammengestellt von Kerstin P. Hofmann und Sabine Reinhold, beide Berlin)

Forschungs-/Wissenschaftsgeschichte, Selbstverständnis und Politik Sabine Rieckhoff/Susanne Grunwald/Karin Reichbach (Hrsg.), Burgwallforschung im akademischen und öffentlichen Diskurs des 20. Jahrhunderts. Wissenschaftsgeschichtliche Tagung der Professur für Ur- und Frühgeschichte der Universität Leipzig; Leipzig 22.-23. Juni 2007. Leipziger Forschungen zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie 5 (Leipzig 2009).

Andrea Schidlofski, Konstruierte Antike. Der Echtheitsbegriff erläutert an archäologischen Denkmälern. Antiquitates. Archäologische Forschungsergebnisse 49 (Hamburg 2009). Inhalt: Auf provokante Weise nähert sich A. Schidlofski dem Thema Antikenrezeption. Damit kommt sie in Kontakt mit dem Echtheitsbegriff. Gleichzeitig deckt sie die dahinter verborgenen Machtstrukturen auf. Denn das Streben nach Authentizität kann einerseits für die Forschung Großes leisten, andererseits aber auch einen enormen Schaden anrichten. Jedoch ist es unmöglich, die Diskussion ausschließlich auf die Originalität zu beschränken. Im Rahmen ihrer Recherchen führt die Autorin den Begriff „Fälschung“ ad absurdum.

Jana Maríková-Kubková/Nathan Schlanger/Sonia Lévin (Hrsg.), Sites of Memory: between scientific research and collective representations. Proceedings of the AREA seminar at Prague Castle, February 2006. Castrum Pragense 8 (Praha 2008). Magdalena Naum, Re-emerging Frontiers: Postcolonial Theory and Historical Archaeology of the Borderlands. Journal of Archaeological Method and Theory 2010. Online im Internet: http://www.springerlink.com/content/9n194h48r4437235/. Aktuelle Literatur 1/2010 weiterlesen

80. Verbandstagung des West- und Süddeutschen Verbandes

„Jagen, Kämpfen, Saufen?

Zur Konstruktion von Männlichkeit in ur- und frühgeschichtlichen Gesellschaften“ 

Sektion der AG Theorie in der Archäologie auf der 80.  Tagung des West- und Süddeutschen Altertumsverbandes vom 25. bis 28. Mai 2010 in Nürnberg

 

Uhrzeit Programmpunkt
10.30 Nils Müller-Scheeßel, Frankfurt a. M.: Einführung in das Thema
11.00 Steffen Knöpke, Zürich: Männer, Krieger, Tischgenossen – Der urnenfelderzeitliche Männerfriedhof von Neckarsulm
11.30 Matthias Jung, Frankfurt a. M.: Der „Big Man“ als Verselbständigung eines theoretischen Konstruktes von Männlichkeit
12.00 Mittagspause
14.00 Sabine Rieckhoff, Leipzig: Raubgierig, kriegslüstern, trunksüchtig? Fragen zum Männlichkeitsideal der Eisenzeit
14.30 Patrick Wagner, Freiburg i. Br.: Mannsbilder – Darstellungen der Jagd in der Ikonographie der frühen Eisenzeit und ihre soziale Bedeutung
15.00 Nils Müller-Scheeßel, Frankfurt a. M.: ‚Wann ist man ein Mann?‘ Synchrone und diachrone Veränderungen von männlichen Identitäten während der Älteren Eisenzeit Mitteleuropas
15.30 Pause
16.00 Svend Hansen, Berlin: Die Geburt des Helden
16.30 Laury Sarti, Hamburg: Vom Soldat zum Krieger? Vorstellungen von Männlichkeit zwischen Spätantike und Frühmittelalter
17.00 Abschlussdiskussion

 

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